#23 Mehr Arsch weniger Hose - die junge Politikzukunft bei VOLT

Shownotes

Unser zweiter Teil zum Thema: warum entscheiden sich junge Menschen für die Politik? Und sind bereit, dafür ihre Person in die Öffentlichkeit zu stellen. Alleine damit zeigen sie mehr Arsch in der Hose als wir, die über Politik und Politiker:innen nur reden ohne zu machen.

Frances von VOLT ist jung, aber auch ihre Partei, die zum ersten Mal in den Bundestag einziehen will. Was machen sie anders? Was macht sie aus?

Mit Markus geht sein Politikberatungsgen durch. Nur 'nette' Partei reicht ihm nicht. Ich finde erstmal, das ist heutzutage ja schon recht selten: zuhören, aussprechen lassen, ohne Grabenkämpfe und verkniffenen Gesichter argumentieren.

Dabei über den deutschen Tellerrand schauen, was in anderen Ländern Europas schon klappt und als Best Practice, also Vorzeigemodell, für Deutschland übernommen werden kann - was ich als Unternehmerin einen smarten, weil effizienten Ansatz, finde.

Den voll digitalisierten Staat in Estland beispielsweise, von dem wir in Deutschland lernen können. Oder in Italien den Wegfall des Vorsteuerbetrugs durch Digitalisierung, das alleine 9 Mrd. jährlich Mehreinnahmen bringt. Ganz ohne Steuererhöhung, nur durch mehr Steuerehrlichkeit.

Darüber reden wir, und noch viel mehr:

00:00 Einführung in Volt und die Bundestagswahl 03:09 Vielfalt und Ansprache der Gesellschaft 06:03 Wohnraummangel und innovative Lösungen 09:04 Bewusstsein für Wohnraumnutzung schaffen 12:00 Kritik an der etablierten Politik 15:02 Langfristige Herausforderungen und Lösungen 18:11 Glaubwürdigkeit und europäische Perspektive 21:38 Steuereinnahmen und politische Verantwortung 24:40 Gerechtigkeit und Steuerbetrug 25:27 Digitalisierung der Verwaltung 28:08 Neubau der IT-Infrastruktur 31:34 Vertrauen in die Politik und Best Practices 37:38 Fachkräftemangel und europäische Zusammenarbeit 40:01 Herausforderungen der Digitalisierung und Bürokratie 42:04 Die Rolle Europas in aktuellen Herausforderungen 44:05 Gemeinschaft und Zusammenarbeit in der Politik 46:08 Die Notwendigkeit von Transparenz und Bürgerbeteiligung 47:56 Die Ansprache der jungen Wähler und politische Sprache

ausserdem was sich Frances von jungen Wählern wünscht, damit unsere Zukunft aus der Mitte der Gesellschaft gestaltet wird - mit mehr Arsch in der Hose. Wir freuen wir uns auf Dein Kommentar, Lob, Kritik und Ideen auf Linkedin oder direkt an: nicola@wies-doch-geht.de

Unsere Shownotes:

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Transkript anzeigen

Nicola: Hallo Markus und hallo Frances Noltekuhlemann. Ja, wir freuen uns natürlich auch sehr, dass es geklappt hat. Gerade so zum Jahresanfang und in der spannenden Zeit der Bundestagswahl, die ja auch früher kommt als gedacht. Du steckst hier mittendrin. Du bist die Bundestags Direktkandidatin für Düsseldorf.

Markus Franz: Hallo Nick!

Frances: Hi, schön baust zu sein.

Nicola: von VOLT, das ist deine Partei, also wer es noch nicht gehört hat, mit V-O-L-T, genau, nicht den Lieferdienst, kleiner Scherz. Und du bist aber seit einigen Jahren auch schon stellvertretende Landesvorsitzende von NRW bei VOLT.

Frances: Genau, das ist richtig.

Nicola: Genau, das ist richtig. Und ich habe jetzt gesehen, eure Bundestagsspitzenkandidatin ist auch eine Frau und sie kommt auch beruflich aus der Verwaltung, also aus der kommunalen und Landesebene genauso wie du. Deswegen meine Frage, ist das reiner Zufall oder ist das schon Programm?

Frances: Ja, wir haben tatsächlich festgestellt, dass das häufiger vorkommt. Ich saß letztens auf einem Podium zusammen mit einer unserer Bundesvorsitzenden oder der stellvertretenden Bundesvorsitzenden, Karolin, zusammen mit Damian, unserem EU-Parlamentsabgeordneten und ich saßen auf dem Podium. Und wir haben tatsächlich festgestellt, dass wir alle so ein bisschen aus dieser Richtung kommen. Karolin arbeitet ja gemeinsam mit Maral im Dezernat in Wiesbaden.

Nicola: Okay.

Frances: Damian war, bevor er EU-Parlamentsabgeordneter, war genauso wie ich Unternehmensberater und hat auch für die öffentliche Verwaltung gearbeitet. ich bin auch Unternehmensberaterin und berate die öffentliche Verwaltung, digitaler zu werden. Also es kommt häufiger vor. Ich glaube, es liegt aber auch ein bisschen daran, weil wir einfach irgendwie so bisschen den Bedarf auch sehen, dass in der Politik sich ein bisschen was tut und wir durch unsere Arbeit natürlich ja auch schon irgendwie so eine gewisse Nähe zur Politik haben. Und da bietet sich das an. wir sind bei VOLT sehr divers aufgestellt. Also bei uns sind nicht alle aus der Verwaltung ein Paar, aber auch genauso viele aus anderen Bereichen, aus der Wirtschaft. Wie bitte?

Markus Franz: Und es gibt sogar mehr. Und es gibt sogar Männer.

Frances: Es gibt auch Männer, das stimmt.

Markus Franz: Cool, das ist eine fortschrittliche Partei.

Nicola: Ja mal gucken Markus, aber da werden wir ja schon mittendrin, bevor wir auf das große Thema Bürokratie kommen, wo du uns vielleicht einige Sachen auch hoffentlich erklären kannst und was ihr davor habt. Würde sich bei mir auch gleich die Frage auftun, schafft ihr es auch, also nicht nur Akademiker anzusprechen, sondern wirklich die Breite des Volkes, also auch ins Handwerk, auch Facharbeiter, also oder seid ihr nur die Akademiker und Hipster-Partei?

Frances: Nein, wir sprechen die komplette Gesellschaft an. Wir haben natürlich sehr liberale Ansätze, wir haben aber auch genauso soziale Ansätze. Wir sind sehr, sehr stark auf Gleichberechtigung ausgerichtet. Das bezieht sich nicht nur auf Männer und Frauen, sondern auch auf alle Akademiker und Ausbildungen und einfach die Arbeit in der Gesellschaft. Bei uns wird tatsächlich alles abgedeckt und du findest bei uns in der Partei auch alles wieder. Genau, ich weiß, dass wir diesen Ruf haben, eine Akademikapartei zu sein, aber dem ist gar nicht so.

Markus Franz: kann das mal inhaltlich hinterlegen, inwieweit ihr jetzt auch zum Beispiel für Arbeiter oder sagen wir mal, keine Ahnung, VW-Arbeiter oder Blumenfachverkäufer oder so irgendwas...

Frances: Genau, eine unserer, also unsere ganze Kampagne spiegelt sich ja unter dem oder findet sich unter dem Thema, holen wir uns die Zukunft zurück, spielt sich das ab. Das ist quasi das Oberthema, wo wir immerhin möchten und da haben wir verschiedene Unterthemen und beispielsweise setzen wir uns stark dafür ein, dass das Leben wieder bezahlbar ist. es fängt damit an, dass beispielsweise Ernährung gesunde Ernährung einfacher wird, beispielsweise dadurch, dass die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel gesenkt werden soll. Dann setzen wir uns dafür ein, dass alle ein sicheres Zuhause haben und vernünftig wohnen können zu einem vernünftigen Preis. wir müssen

Nicola: Okay.

Markus Franz: Wie soll das gehen? Also, der Steuer sehe ich ein, also das verstehe ich, das wird dadurch billiger. Genau, aber wie geht das mit dem billiger Wohnen?

Frances: Genau. Also wir müssen natürlich mehr Wohnraum schaffen, das ist uns klar. Und alle anderen Parteien, ich saß vor ein paar Tagen auf einem Podium hier in der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und es wurde immer wieder gesagt, wir müssen mehr bauen, wir müssen mehr bauen. Das hat die letzte Bundesregierung uns auch schon immer gesagt und hat uns 400.000 Wohnungen pro Jahr versprochen, was dann nicht kam. Wir müssen schauen, wie wir tatsächlich innovative andere Ansätze auch umsetzen. Beispielsweise setzen wir uns dafür ein, dass viel mehr Mehrgenerationshäuser geschaffen werden. Also viele Personen haben riesige Wohnhäuser, haben da auch mal mit ihrer ganzen Familie gewohnt und dann sind die Kinder ausgezogen und dann ist Platz da, der nicht genutzt wird. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Mehrgenerationshäuser entstehen, weil das natürlich auch die Gesellschaft und die Gerechtigkeit fördert, weil die Menschen zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen kann.

Markus Franz: Was heißt denn, setzen uns dafür ein? Warte mal, was heißt, wir setzen uns dafür ein? Weil die meisten Leute wollen das ja nicht. Das ist ja ein altes Konzept, aber funktioniert in der Regel nicht, weil die Leute dann doch in ihren eigenen vier Wänden bleiben wollen. Also wie kriegt ihr das hin? Und zwar in einer nennenswerten Größe. Ich meine, es fehlen ja von den 400.000, die die Bauministerin angekündigt hat, sagen wir mal, 260.000 maximal. Also da fehlt ja so viel, dass das Ganze mit mehr Generationen in Häusern kriegt, ja nicht hin. Also das reicht noch nicht.

Frances: Genau deswegen, nächstes Konzept, wir auch, was vielleicht sogar noch mehr Wohnräume schafft. ich durch Düsseldorf fahre, ist ganz viel Leerstand. Wir müssen den Leerstand bekämpfen. was noch viel, größer ist, wir haben enorm viele Bürogebäude, leer stehen. Also es ist wirklich, dass da riesige Hallen, riesige alte Bürogebäude leer stehen und zwar nicht kurzfristig, sondern teilweise sehr, sehr langfristig.

Nicola: Okay.

Frances: Und diese Gebäude werden teilweise ja auch zukünftig gar nicht mehr genutzt werden in diesem Maß. Also Corona hat unsere Gesellschaft dazu gebracht, dass wir sehr, viele im Homeoffice haben an vielen Stellen und die Menschen von zu Hause aus arbeiten und gar nicht mehr in Büros wollen und müssen. Und diese Räume könnte man umbauen entsprechend, sodass sie auch als Wohnräume genutzt werden können.

Markus Franz: Wieso machen die anderen das nicht? Wieso kriegt ihr das hin oder glaubt ihr das hinzukriegen oder was ist da jetzt das Tolle, was ihr da versucht im Gegensatz zu den anderen?

Frances: Ja, das musst du vielleicht sogar die anderen fragen, warum die das nicht machen. Das sind ja keine Konzepte.

Nicola: wir wollen noch einmal das Spiel machen.

Markus Franz: Was? Aber was braucht man da für eine Regelung? Die Leute, die da den Wohnraum leer stehen, muss man den enteignen lassen? Oder muss man die enteignen Oder was muss einer machen?

Frances: Du musst natürlich gucken, wem gehört dieser Wohnraum und wir brauchen sehr, sehr viel mehr staatlichen Wohnraum. Also der Staat muss Wohnraum kaufen, muss in den Wohnraum investieren und muss diesen Wohnraum dann auch zu vernünftigen Preisen bereitstellen.

Markus Franz: Na, kosteigartig.

Nicola: Sie gerade den ganzen Wohnraum verkauft. Genau, die meisten Kommunen haben das ja versilbert. Das ist ja der soziale Wohnraum, der uns fehlt, aber ... Geht es nicht auch darum, dass man den Leuten die Wahrheit vielleicht zumuten muss, zu sagen, ihr werdet in Zukunft auf weniger Fläche wohnen pro Person, so wie in anderen Ländern schon auch? Also ist das ein Punkt, wo ihr sagt, ja, das gehört zur Wahrheit dazu?

Frances: Also ich glaube, Bewusstsein schaffen ist nie schlecht und die Menschen vor Fakten stoßen ist auch nicht schlecht. Und oftmals ist es ja so, dass Personen auf einer riesigen Wohnung wohnen, die sie eigentlich gar nicht brauchen und auch ganz viele Menschen alleine wohnen, die gegebenenfalls auch mit jemandem anders zusammen wohnen könnten. Das Bewusstsein muss man natürlich schaffen.

Nicola: Die ziehen ja meistens nicht aus, weil die nächste Wohnung nicht nur kleiner ist, sondern im Zweifel auch noch teurer. Das heißt, das ist so eine Bad-Bad-Loose-Loose-Situation. Das ist ja genau der Knoten, aus meiner Sicht, was jetzt Städte betrifft. Du redest von Düsseldorf, ich wohne ja auch in Düsseldorf, wo ich sage, da kommen schon ein paar unbequeme Wahrheiten zusammen und Knoten, die man da lösen muss.

Frances: Absolut. das ist, wie gesagt, ein langwieriger Prozess, den man angehen muss. Dieses Bewusstsein muss man schaffen. klar, Menschen müssen sich tatsächlich bewegen und müssen auch bereit sein, auch mal umzuziehen, in kleinere Wohnungen zu ziehen. Und da muss man entsprechend natürlich auch Wohnraum anbieten, der ja bedeutet, ich ziehe nicht in eine Wohnung, die vielleicht halb so groß ist wie die Wohnung, in der ich jetzt wohne, aber zahle das Gleiche.

Nicola: Mh.

Frances: Dementsprechend muss man Regelungen schaffen, dass Mieten in einem gewissen Maß, in einem Rahmen gehalten werden, sodass es nicht explodiert.

Markus Franz: Aber da kann ich dir nur sagen, ich kenne jetzt VOLT nicht besonders gut. Ich frage mich jetzt, wenn ich dir so zuhöre, du bist jetzt wahrscheinlich keine Expertin bei diesem Gebiet mit den Wohnungen, aber das wird mir die Geibitz, die Bauministerin wird mir das wahrscheinlich genauso sagen. mir würde jetzt hier das Vertrauen fehlen und darauf kommt es ja bei euch an. glaube gerade heute Politiker müssen da glaube ich viel mehr Glaubwürdigkeit kämpfen und dass sie ernst genommen werden. glauben denen ja allen überhaupt nicht mehr. Nix. Die versprechen so viel. Es ist so grauenvoll. Und deswegen, wenn du jetzt mit Rezepten kommst, die man schon kennt, aber die nicht so richtig nachvollziehbar sind, dann ist das schwer. Ihr fallt für mich jetzt schon mal zum Thema Wohnungsbau. Würde ich jetzt sagen, fallt der für mich jetzt im Grunde schon mal raus. Das gehört sich für mich richtig an, was du sagst. Aber ich kann es nicht nachvollziehen und ich wüsste nicht, inwieweit ihr euch da von anderen unterscheidet. Der Boris Palmer, der Grüne in Tübingen zum Beispiel, der macht das eben anders. der enteignet Leute, die ihre Grundstücke leer stehen lassen. Die Pariser Bürgermeisterin entkoppelt die Bodenpreise von den Wohnpreisen. Das halbiert die Preise. Dadurch können sie Mittelklassefamilien wieder Wohnraum kaufen, wo dann auch wieder mehr gebaut wird. Das sind Sachen, vielleicht bisschen radikal sind, aber wo man denkt, das ist mal ein Ansatz.

Nicola: Mmh.

Frances: Naja, aber du argumentierst, dass du den PolitikerInnen, die aktuell regieren oder im Bundestag sitzen, dass du denen nicht mehr vertrauen kannst und sagst mir aber, dass du mir auch nicht vertrauen kannst. ich kann total nachvollziehen, dass du der aktuellen Regierung, den aktuellen Parteien nicht mehr glaubst, weil sie uns oft Dinge versprochen haben, die dann nicht gehalten wurden. Aber VOLT hat nie Dinge versprochen, die sie nicht gehalten haben.

Nicola: Okay.

Markus Franz: Das ist sehr gut, genau. Ja, das ist sehr gut. Das ist klug, was du sagst. Aber aus der Zwickmühle kommt man, glaube ich, nur da raus, indem man eben nicht das sagt, was die anderen schon gesagt haben und nicht gehalten haben, sondern indem man wirklich nachvollzieht, indem man Beispiele bringt, ich, indem man es möglichst konkret macht, dass man wirklich bei den Leuten was so eine Initialhaltung... Ja, stimmt, das hat sie recht. Das könnte echt funktionieren. Genau, lass uns das doch mal probieren. So statt allgemein so Worthülsen und Fachbegriffe und sowas alles. Das wäre einfach nur auch so mein Tipp einfach an solche Themen ranzugehen

Nicola: Aber kommen wir nochmal zurück, es geht ja auch darum, die Lösungen für die junge Generation zu haben. Das interessiert uns heute besonders, weil du ja eine der jungen Politikerinnen und Generation bist, die sagt, wir Alten, also Markus und ich stellvertretend, haben eigentlich so viel Mist gebaut und haben über Lösungen zwar haben Lösungen versprochen, aber haben die nicht eingehalten. Was wirfst du denn der etablierten Politik, die schon länger am Ruder sind als VOLT unserer Generation, was würdest du denn vorwerfen? Und was wirst du denn vor?

Frances: Ich glaube, sind aktuell, wenn man sich die Regierungen anschaut oder auch die etablierten Parteien anschaut, dass sich da tatsächlich in irgendwelchen Grabenkämpfen verloren wird. es ist auch, ich sag das jetzt letztens mit Personen zusammen, die von den Jugendorganisationen, also es ist ja nicht so, dass VOLT die einzige Partei ist, in der junge Menschen aktiv sind. So ist es ja nicht. Es gibt ja auch jüngere Generationen in anderen Parteien. Also die haben ja auch eigene Jugendorganisationen. Aber wenn du dich mit denen unterhältst, dann haben die tatsächlich schon den gleichen Sprech drauf wie die alten Hasen, in Anführungsstrichen. Und die haben irgendwie 17 Rhetorikschulungen bekommen und wissen genau, wie sie sich anhören, wie ihre großen Vorbilder Christian Lindner oder Friedrich Merz. Und die werden quasi so bisschen da. herangezogen quasi in die Fußstapfen zu treten. Und wir möchten halt nicht in irgendwelche Fußstapfen treten. Grundsätzlich bei VOLT, wir haben keine Jugendorganisation, weil bei uns sind alle Menschen oder alle PolitikerInnen, alle Menschen, die bei uns aktiv sind, sind gleich. Wir arbeiten alle zusammen. Wir möchten keine Hürden schaffen, auch nicht durch irgendwelche Jugendorganisation oder ähnliches.

Nicola: Vielen Dank. Hoh!

Frances: Genau, also unser Durchschnittsalter bei VOLT liegt bei 34 Jahren. Ich glaube, bei der SPD, CDU, da ist es über 60 teilweise. was ich der Politik vorwerfe aktuell, ist, dass viel in irgendwelchen starren Ideologien gedacht wird, in irgendwelchen Parteiinteressen. Und dass es ganz oft so ist, okay, ich denke auf die nächsten vier Jahre.

Nicola: Ja. Mhm.

Frances: Ich muss in den nächsten vier Jahren daran arbeiten, dass ich in vier Jahren wieder hier auf dem gleichen blauen Stuhl sitze und mir den Hintern platt sitze. Und es wird gar nicht irgendwie großartig in die Zukunft gedacht. Also wir haben enorme Herausforderungen, vor denen wir stehen. sind Klimawandel, Migration, Infrastruktur, Rechtspopulismus, der erstarkt. Wir haben mittlerweile tatsächlich wieder Krieg in Europa. Das sind halt Themen, die man langfristig angehen kann. da reicht keine Perspektive einer Legislaturperiode, sondern wir müssen langfristig nachdenken und wir müssen gucken, was ist wirklich das Richtige und was sind wissensbasierte Ansätze, wo gibt es vielleicht

Nicola: .

Frances: tatsächlich schon best practices aus anderen Ländern, wo hat irgendwas richtig, richtig gut funktioniert, was können wir übernehmen? Ich glaube, das ist

Nicola: Mmh.

Markus Franz: Moment mal, das klingt ja auch alles, aber das klingt ja auch jetzt alles abstrakt. Das würde ja auch jetzt jemand von der CDU, von der FDP, von der SPD ganz genau so sagen wie du, oder? Mit den Herausforderungen, kannst du nicht wissen aus einem Wort, ich hasse, weil das einfach auch so abstrakt ist. Dann dann die ganze Ausbildung natürlich mit Kriegen und so weiter. Ja, ja, alles, da finden wir alle Scheiße. Also ich glaube, finden auch die AfD Scheiße. Ich glaube, die AfD wird allen Punkten, die du bist, gegen Rechtspopulismus, würde dir allen wahrscheinlich zustimmen. Insofern ist das auch noch sehr schwammig. Deswegen soll ich jetzt euch aber wählen, weil ich das Gefühl habe, okay, Durchschnittsalter ist 33 und die sind eher jünger. Wobei ich die Meinung von Nicola eben auch gar nicht teile. sind jetzt wirklich die alten Säcke. Was sind die denn in Schuld? Viele von denen mag ich nicht und die haben damals Langhaarige eingesperrt und waren gegen Gleichberechtigung und sowas alles. Aber die waren echt fleißig und haben verdammt nochmal unser Land aufgebaut. Das war eine Zeit, wo die Leute sich Häuser leisten konnten und wo stabil war und relativ sicher war in unserem Land. Ich finde, die Alten haben verdammt viel geleistet, würde ich mal sagen. Es war echt ein gutes Land. Ich weiß nicht, ob das jetzt gerade noch so ist. Insofern, was ist jetzt das, was dich wirklich aus euch wirklich auszeichnet? Was ist jetzt bei euch wirklich frischer? Was ist bei euch eben nicht diese Phrasendrescherei? Noch mal ein Beispiel. Was würdest du anders ausdrücken oder was ist bei euch das Besondere?

Frances: Ich hab's grad schon gesagt. es ist im Prinzip, wir haben es noch nicht irgendwie verkackt, ehrlich zu sein. Und wir werden es auch nicht irgendwie vor die Wand fahren. Genau, also klar, du kannst immer sagen, ja, ich sag das Gleiche. ja, also wenn du dir die Parteiprogramme ansiehst, da sind super viele ähnliche Dinge in vielen Parteien. Wir haben mit Sicherheit auch viele Überschneidungen zu anderen Parteien mit unseren Positionen.

Nicola: Ja, ein Newcomer-Bonus

Frances: weil wir ja auch irgendwie alle hoffentlich in die gleiche Richtung arbeiten, also zumindest die meisten Parteien. Und wir müssen ja auch irgendwie einen Konsens finden. Also wenn eine Koalition irgendwann gebildet wird, kannst du ja nicht komplett konträr in zwei verschiedenen Richtungen laufen. Also irgendwas muss ja Überschneidung haben. Aber wir haben halt diese Motivation und wir sitzen dort und haben uns das angeguckt und haben gesagt, okay, es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen jetzt wirklich Leute, die nicht nur irgendwie

Nicola: Ja.

Frances: irgendwelche Dinge in den Raum stellen, sondern die sich tatsächlich dafür einsetzen. Also bestes Beispiel ist halt Damian im EU-Parlament. Der war jetzt fünf Jahre lang da als Einzelkämpfer unterwegs und der hat die meisten Anträge gestellt. Und wir haben diese Motivation, dass wir es tatsächlich besser machen wollen als andere. klar, haben uns noch nicht, also auf Bundesebene haben wir uns noch nicht bewiesen. Das war noch nicht möglich. Aber ich denke, man muss uns einfach die Chance geben, Jetzt wieder das gleiche zu wählen und dann in vier Jahren zu sagen, es hat sich nichts verändert. Also so kann es ja nicht weitergehen.

Markus Franz: Okay, aber wie du jetzt argumentierst, ist, du setzt auf Glaubwürdigkeit. Du sagst mir im Grunde, vertraut uns, weil wir haben es noch nicht verbockt und wir versuchen es jetzt anders zu machen. Aber Glaubwürdigkeit muss man sich auch verdienen. Also insofern, wieso sollte ich jetzt annehmen, dass ihr das wirklich jetzt anders macht als andere, nur weil ihr jünger seid?

Frances: Du musst uns die Chance geben. du musst immer, also alle Jungparteien alle Jungenparteien sind mal, oder alle Parteien sind mal jung gewesen und haben die Chance bekommen sich zu beweisen. Das ist so. Also du kannst nicht von vornherein uns sagen so, nee ihr seid mir zu jung, ich will wieder die gleichen. Dann wird sich nichts ändern.

Markus Franz: Das funktioniert nicht. Glaub ich nicht.

Nicola: Wut!

Markus Franz: Nicht so. Richtig. du musst ja auch die AfD hat ja jetzt nicht dadurch geschafft, dass sie jetzt groß zu werden. Die ist halt inhaltlich groß geworden durch das. Ja, durch Wut, indem sie die Wut der Bevölkerung aufgreift, indem sie eben sagt, wir sind zu viele Ausländer und so weiter. Also im Grunde läuft es immer über Inhalte bei der SPD, was man die Ostpolitik, die einfach echt stark war, einen Riesenunterschied damals zur CDU.

Nicola: Durch Wut!

Markus Franz: Also letztlich, ich glaube eher daran, dass es über Inhalte läuft. Und da wird mich eben einfach bei euch noch mehr, weil ich gebe jedem eine Chance. Ich weiß nicht, wie mich meine Stimme geben sollte. ist wirklich mein guter Moment. Ich bin fast so weit, die CDU zu wählen, ersten Mal in meinem Leben. Dann müsste ich Friedrich Merkel wählen. Ich bin so was von verzweifelt. Aber ich wüsste jetzt aber immer noch nicht, warum ich jetzt zum Beispiel euch wählen sollte.

Nicola: Hmm. Auf Wiedersehen! Mmh.

Frances: Also was uns unterscheidet ganz stark ist, dass wir immer in einem europäischen Kontext arbeiten. Also dass wir immer quasi das große Ganze betrachten und sagen, ok, Europa, darauf muss es immer hinauslaufen. Und das ist ja auch unser best practice Ansatz, dass wir sagen, ok, was läuft in anderen Ländern tatsächlich gut, was können sie übernehmen und du hast gesagt, irgendwelche innovativen Ansätze und so braucht man unbedingt. Naja, man kann auch erstmal schauen, was bei anderen Ländern tatsächlich sehr, sehr gut läuft und das übernehmen. ist also mein Lieblingsthema ist zum Beispiel die Digitalisierung in Estland. Also, dass tatsächlich in Estland ein Bürger, eine Bürgerin quasi alle Behördengänge online machen kann. Also 99 Prozent Ehe schließen kann man tatsächlich in Estland noch nicht online, aber das ist vielleicht auch eine ganz gute Idee, dass das nicht funktioniert oder dass man beispielsweise schaut, was

Markus Franz: was

Nicola: Okay.

Frances: Was auch eins meiner Lieblingsthemen ist, ist die Digitalisierung der Umsatzsteuer in Italien. Italien hat 2019 die Umsatzsteuer digitalisiert und der Kontext war, dass es enorm viel Vorsteuerbetrug gab, den es auch beispielsweise in anderen europäischen Ländern gibt, auch sehr, sehr stark in Deutschland. Und dass durch diesen Vorsteuerbetrug enorme Steuern ausgezahlt wurden, Vorsteuern.

Nicola: Ja.

Frances: und dann aber im Nachhinein die Umsatzsteuer von gewissen Unternehmen nicht gezahlt wurde. Dem ist Italien begegnet, in dem eine E-Rechnungspflicht eingeführt wurde und ein elektronisches Rechnungsregister, was ein sogenanntes Umsatzsteuer-Clearing durchführt, sprich die Vorsteuer und die Umsatzsteuer gegeneinander

Nicola: Ja.

Frances: verrechnet und quasi die Vorsteuer entsprechend nicht mehr auszahlt. Italien hat dadurch im ersten Jahr der Einführung, was übrigens schon 2019 war, 9 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen gehabt. Und das

Nicola: Wow, okay.

Frances: sind Steuereinnahmen, die nicht irgendwem in die Taffetasche greifen und da muss noch jemand irgendwie was von seinem Lohn abknapsen, sondern das sind Gelder, die tatsächlich sowieso dem Staat zustehen und die hat sich Italien geholt. Und solche Ansätze brauchen wir. Oder beispielsweise

Markus Franz: Warum machen die anderen das nicht? Warum machen die anderen das nicht machen? Das klingt ja so, dass jeder sagt, okay, ist jetzt, lass uns ehrlich bleiben, der Einfall, normal, wenn man jetzt nicht so gebildet ist, konnte dir jetzt nicht folgen, ne, weil das ist dann doch ein bisschen zu schwer, ne. So, aber warum ich mich nicht dicke tun will, mir ist das nur einfach nur wichtig, ja. Im Grunde, wenn man Politik macht, glaube ich, man die einfachen, muss man alle versuchen zu erreichen. Das geht jetzt so, wie das gesagt, das nicht unbedingt, aber das ist ein Punkt, aber ich würde mich trotzdem interessieren, warum machen wir das nicht einfach, wenn das so plausibel ist?

Nicola: Mhm.

Frances: Also meiner Meinung nach liegt es daran, dass du natürlich dann Gesetze ändern musst, logischerweise, und du musst dadurch Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten verschieben. Und du musst natürlich irgendwen seine Macht wegnehmen, die er aktuell hat, weil das ist, Steuern liegen zu einem großen Teil in Deutschland auf einer Föderalismus, im Föderalismus auf Länderebene und du...

Nicola: Ach so, die werden von Ländern eingetrieben, wusste ich gar nicht.

Frances: Genau, genau. das ist, du nimmst Personen, nimmst Ministerien eine gewisse Macht weg und das ist natürlich nicht gut. Die finden dich dann nicht mehr so toll vielleicht in vier Jahren. Da kommen wir wieder zu dem Punkt, arbeiten in Legislaturperioden. Und ich glaube, dass teilweise Dinge nicht passieren in Deutschland, weil nicht irgendwer auf die Füße getreten werden möchte. Und da

Nicola: Hm.

Frances: Davon müssen wir tatsächlich weg. Also wir müssen schauen, was ist vielleicht nicht für die oberen Prozente oder für den Behördenleiter, der mir jetzt super wichtig ist, relevant, sondern was ist tatsächlich für das Wohl der Gesellschaft das Beste?

Nicola: Mhm.

Markus Franz: Das ist ja ein Ansatz jetzt, im Grunde weg mit dieser alten Säckepolitik. Weg mit dem Vorsteuerbetrug. Das heißt so und so. Das heißt weg, dass die alten privilegierten Leute, dass die eben das und das machen können, wie schon immer. Weil sich eben niemand traut und so weiter. Und wir als VOLT, wir schneiden eben nicht alte Zöpfe, das ist auch wieder zu stanzenmäßig. Aber wir trauen uns, die Verhältnisse wirklich zu verändern. Wir gucken, wie es in anderen Ländern läuft. So eher, dass man das eben einfach bisschen griffiger möglicherweise eben auch formuliert.

Nicola: Mh.

Markus Franz: Das ist eben auch ein Thema, was jetzt die meisten Leute nicht berührt. In so einem Ranking von Themen wäre das irgendwie bei 30, 40, 50 möglicherweise. Aber im Grunde zahlt das Thema Gerechtigkeit da eben ein. Was wir ja gestern mit dem FDP-Mann eben auch hatten. Das ist eben die Großen, die können da irgendwie was machen, die die für Geld haben. Aber ich glaube,

Nicola: Na ja! die Steuerlöcher

Markus Franz: Genau, nicht nur, dass man den Kleinen ans Bürgergeld geht, sondern dass man den Großen eben auch bei diesen Betrügereien auf die Schliche geht. Aber das könnte man dann möglicherweise unter so einem Wert eben packen. glaube, Werte sind eben enorm wichtig.

Frances: Absolut.

Nicola: Also letztendlich alle ihre Schuld zu bezahlen. Also ich finde das natürlich schon smart und das sehe ich schon als neuen Ansatz zu sagen Wir kümmern uns jetzt auch mal die Einnahmenseite und zwar nicht in Form von wo wird der einzelnen Person die Steuer erhöht. oder gesenkt, diese Endlos-Diskussionen, sondern erst mal dafür zu sorgen, dass die Steuern, die jetzt schon erhoben werden, von allen auch bezahlt wird. Eigentlichen Status quo auch zu erreichen und so, ich sag mal, den Maschinenraum Deutschland als Behörde und Verwaltung und Exekutive erst mal wieder arbeitsfähig zu machen. Ist es das?

Frances: Genau. Genau, ja, weil ein vernünftig funktionierender Verwaltungsapparat ist halt die Grundlage für eine gute Gesellschaft und eine gerechte Gesellschaft. Da müssen wir auch ganz stark dran. Also Digitalisierung der Verwaltung ist sowieso eines meiner Lieblingsthemen. Ich bin da halt einfach beruflich auch sehr, tief drin und habe einfach gemerkt, dass da Vieles im Argen liegt und irgendwie Kleinigkeiten angepasst werden sollen, also beispielsweise Onlinezugangsgesetz, alles schön und gut, die Idee ist super. Das Onlinezugangsgesetz hat beschlossen oder ja, also das Ergebnis ist, dass die Verwaltungsdienstleistungen am Anfang waren es 575, dass die digitalisiert werden, also dass du beispielsweise deinen Bewohnerparkausweis online beantragen kannst. Und das ist

Nicola: Was heißt das? Mhm. Mhm. Mhm.

Frances: Total wichtig und gut. Und das hat aber erst mal nicht so gut funktioniert tatsächlich, weil es keine End-to-End-Digitalisierung wieder in Deutschland gab. Du konntest dann als Bürger, als Bürgerin, konntest du dein Bewohnerparkausweis zwar online beantragen, aber es wurde dann nicht online weiter bearbeitet durch den... Genau, es wurde dann ausgedruckt und bearbeitet und dann wurde es wieder eingescannt.

Nicola: Mhm. Ja. So, ausgedruckt und dann... Ja.

Frances: Und das ist halt irgendwie ineffizient. wir müssen tatsächlich die IT-Infrastruktur in Deutschland hat sich über Jahrzehnte monolithisch aufgebaut und ist so verbaut tatsächlich. Wir brauchen da einen Neuanfang anfangen. Wir müssen die IT-Infrastruktur eigentlich komplett neu aufsetzen. Und weil, also du musst es dir so vorstellen, sind riesige Blöcke, die dort gebaut wurden. Und ich vergleiche das immer ganz gern mit Jenga. Wenn du da den falschen Block draus ziehst.

Nicola: Ja, ein Punkt.

Frances: dann funktioniert gar nichts mehr und deswegen wird quasi nur irgendwo dran geklatscht, aber dann fällt mal wieder was ab und das funktioniert so nicht. Also wir brauchen tatsächlich saubere Strukturen und Dinge, die über Jahrzehnte gewachsen sind, sind einfach teilweise dann nicht mehr up to date und müssen einfach nicht irgendwie umgebaut oder modernisiert werden, die müssen neu gebaut werden.

Nicola: Vielen Das heißt du hast praktisch ein weißes Blatt Papier und dann best practice neu aufbauen. Ist das realistisch? einem, sag ich mal, Estland ist recht klein und die haben sich ja neu formiert. Deutschland ist ja so alt auch noch nicht, aber wie du sagst.

Frances: In-

Nicola: Ist das realistisch? Beziehungsweise was wäre jetzt da für dich ein pragmatischer Ansatz? Wo ich merke als Bürger, da tut sich was und das geht es eigentlich. Dass ich merke, da geht was schneller, wir haben es im Griff.

Frances: Also... Genau, also wir reden gerne mal so von der grünen Wiese, auf der dann gebaut wird in der Softwareentwicklung. Und ja, ich glaube, dass das tatsächlich möglich ist, wenn du eine gewisse Zeit lang einen Betrieb parallel betreibst. Also wenn du einen Betrieb weiterlaufen lässt und den auch an Stellen modernisierst, das ist leider notwendig oder es ist notwendig, du aber parallel quasi neu baust und dann irgendwann die Ablösung kommt. Dann kommt der Big Bang.

Nicola: Mhm. Baba.

Frances: Und dann ersetzen wir quasi. Das ist möglich.

Markus Franz: Aber hier mit den Bewohner-Ausweisen, wahrscheinlich würde mir das schon reichen. Ich würde die Partei wählen, jetzt den Anwohnerparkausweis weiß, wo ich den elektronisch beantragen kann. So, nur das wollen die anderen Parteien auch. Das wollt ihr auch. Ich nehme es zur Kenntnis, dass ihr das auch wollt. Was ich jetzt aber eben noch nicht zur Kenntnis nehmen kann, ob ihr wirklich das Zeug dazu habt, den Wumms da zu entwickeln. Oder auch hier, was würdet ihr anders machen? Woran liegt es eben, dass das eben noch nicht passiert ist? Ist das wirklich, dass sie alle zu träge sind, zu dumm sind, keinen Bock haben, ihre Pfründe bewahren wollen? Auch hier wieder, was ist jetzt hier euer spezieller Ansatz, warum es bei euch plötzlich jetzt laufen soll?

Frances: Also das spielt sehr stark in unserem Slogan, holen wir uns die Zukunft zurück rein. es ist... Ja. Ich erkläre es gerne. Wie gesagt, wir sind junge Menschen und wir möchten eine positive Vision für die Zukunft haben. Wir möchten, dass unser Leben gut wird und dass das Leben unserer Kinder und Enkelkinder, die wir vielleicht irgendwann mal haben, auch gut wird.

Markus Franz: Das versteht man so aber nicht. Ne, ne, ne, ist holen wir in Zukunft zurück.

Nicola: Ja. Mmh.

Markus Franz: Hm?

Frances: Und wie gesagt, ich habe es am Anfang auch schon gesagt, warum die anderen das nicht machen, das müsstest du sie tatsächlich selbst fragen. ich frage mich das auch immer. Ich sitze teilweise da und denke mir, warum passiert das so? Also genauso wie die Geschichte mit Christian Lindner. Dann sitzt man da und denkt sich, warum fährt man eine Regierung in Deutschland so vor die Wand? Was hat dich geritten? Oder Friedrich Merz, der sich hinstellt und sagt, Frauen als Ministerin, ich möchte sie nicht überfordern. Ich kann in die Köpfe nicht reingucken. Ich bin genauso fassungslos wie du und verstehe es auch nicht.

Markus Franz: Man kann es immer von der Sache auf den Grund gehen. Zum Beispiel der Grund dafür, warum in Bayern so viele, so wenig Steuerprüfer sind. Das ist ganz einfach, dass die die Unternehmen in Bayern ansiedeln wollen. Die werben geradezu damit, dass sie wenig Steuerprüfer haben, damit die Leute da illegale Geschäfte machen können und dann eher nach Bayern gehen. So und das eben einfach, wenn man sowas den Leuten erklärt, dann kann man glaube ich für Vertrauen sorgen und sagen, okay, die sind irgendwie anders und das wollen die eben nicht, weil die so einen moralischen Wertekompass haben. Aber einfach Sonst kommt man an die Leute aber glaube ich nicht dran, wenn man sagt, wir machen das anders. Aber was macht ihr anders? In dem Fall ist das, was ihr anders macht, einfach eure Werte sagen euch, wir machen so eine Schweinerei, machen wir nicht mit. Aber das müsst ihr klar ziehen. Das sehe ich bei euch eben noch nicht. Weil dazu ist es eben, das ist mit Slogans, wir holen uns die Zukunft zurück. Für mich ist das eher negativ. Das ist natürlich sehr individualistisch. Holen uns die Zukunft zurück, das heißt, soll es so sein wie früher oder keine Ahnung.

Nicola: Ja.

Frances: ...gann auf...

Markus Franz: Auf jeden Fall ist es eben sehr schwammig und es reicht natürlich bei weitem nicht, einer Partei, die jetzt wirklich neu kommt, irgendwie Vertrauen zu schenken. Da hoffe ich nur, nicht

Frances: Also holen wir uns die Zukunft zurück soll bedeuten, dass wir aktuell die Befürchtung haben, dass uns die Zukunft verbaut wird durch die aktuelle Politik und wir in die Politik gehen möchten, damit wir wieder eine positive Zukunft haben. Das bedeutet dieser Slogan. also was uns unterscheidet ist halt dieser Best Practice Ansatz, dass wir schauen, okay, wo läuft's gut und was können wir übernehmen und wie können wir das umsetzen? Und das sind dann halt auch

Nicola: Mmh. Ha!

Frances: Das sind evidenzbasierte Dinge, schon tatsächlich, das ist ja schon gelaufen und wir haben quasi den sogenannten Pilot schon gestartet und haben geguckt, okay, was ist vielleicht bei der Umsetzung in Estland schlecht gelaufen, was können wir in Deutschland besser machen. Also das ist halt dieser Punkt, also dass man, also man kann uns vertrauen, weil wir auf wissens- und evidenzbasierten Ansätzen handeln.

Nicola: Vielen Dank.

Frances: Ich fände es viel schwieriger zu sagen, ja, wir wollen jetzt hier irgendwie keine Ahnung, weiß ich nicht, ins All schießen oder sowas, keine Ahnung was zu machen und super abgespacte Dinge, die tatsächlich noch gar nicht umgesetzt wurden, umzusetzen. Weil dann wird es, glaube ich, wirklich wild. Aber wir setzen uns dran, gucken, was läuft gut, okay, was können wir übernehmen, machen wir so.

Nicola: Also du merkst schon.

Markus Franz: klingt ein bisschen altbacken. Wir bedienen uns jetzt bei den anderen. Die anderen haben hoffentlich was Gutes und wir kupfern das dann irgendwie ab. Selbst brauchen wir uns gar nicht anstrengen, selber was Tolles zu erfinden. Aber das wäre ja so ein Ding, dass man den Leuten wirklich was anzündet. Wir, auch in Deutschland, danach sehnen sich die Leute ja auch, dass wir die Kraft finden, in irgendwas mal Spitze zu sein und nicht nur irgendwie was abzukupfern. Mir ist das egal.

Nicola: Ja.

Markus Franz: Im Grunde, indem ich das sage oder rauskitzle oder frage, auch vielleicht provokant, will ich euch im Grunde helfen, weil du siehst ja, ich stehe auch für ein paar Millionen von Menschen. Ich bin skeptisch und auf diese Skepsis müsst ihr halt eine Antwort haben.

Nicola: Also, Frances vielleicht vom Hintergrund.

Frances: Ja.

Markus Franz: Warte mal, lass mal antworten auf... Sorry.

Frances: Also, danke für das Feedback, möchte ich dazu sagen. Ja, ich kann das verstehen, aber wir können nicht mehr tun, als ein Angebot darzulegen. Also unser Wahlprogramm, wir haben es vor ein paar Tagen veröffentlicht. Da stehen die Best Practices drin, da stehen die Ansätze drin, die wir haben. Da sind die Dinge drin, für die wir uns einsetzen möchten. meine, uns gibt es jetzt seit sieben Jahren

Nicola: Ja.

Frances: Wir haben uns den Hintern aufgerissen, sind auf die Straße gegangen, haben gekämpft und am Ende hast du gesehen bei der Europawahl, wir hatten Tränen in den Augen, als eine Woche vor der Europawahl plötzlich unser Balken da war und wir jetzt drei Leute ins Europaparlament schicken konnten. VOLT ist eine Bewegung, einen Zusammenschluss von Menschen, die etwas bewegen wollen und auch dieser europäische Charakter, dass wir

Nicola: Ja.

Frances: ganz viele Parteien reden von europäischer Zusammenarbeit und dass Europa so wichtig ist. Wir leben Europa. Für uns ist es wirklich komplett normal, dann zu sagen, okay, lass uns irgendwie dort hinfahren. Maral ist gerade in Europa unterwegs und schaut sich die besten europäischen Lösungen an und bringt die dann mit. ja, also ich glaube, man muss einfach immer ein gewisses Vertrauen mitbringen. Und das ist Im Prinzip ist es wie eine Beziehung. Wenn du jemanden kennenlernst und dir überlegst, vielleicht möchte ich diese Person noch intensiver kennenlernen, dann musst du auch am Anfang ein gewisses Vertrauen mitbringen und eine gewisse Neugier. Und manchmal

Nicola: Hmm.

Frances: wirst du enttäuscht, aber bei uns, glaube ich, würdest du nicht enttäuscht werden. Aber dafür muss man uns erstmal vertrauen.

Nicola: Also jetzt möchte ich mal einen Punkt machen, das eine ist, du merkst es schon, Markus ist Politikberater, insofern sucht er immer Stöckchen und Steinchen, was auch gut ist. Wo ich aber auch widersprechen muss, Markus, und das sind dieses Abkupfern von Best Practice. Und da kann ich nur aus Unternehmer-Sicht sagen, also das ist das Schlauste, was man machen kann. da wo Dinge gut laufen, sie abzukupfern im positiven Sinne. Das ist effizient, das spart Geld, das zeigt den Leuten, ey, die müssen nicht immer das Rad neu erfinden, bis da was anläuft. Und du nimmst Menschen, wie in Unternehmen auch, deine Investoren, bestens mit, indem du sagen kannst, ich hab schon Best Practice, ja, und jetzt lass uns unsere Energie da drauf richten.

Markus Franz: Aber nicht nur.

Nicola: Was müssen wir adaptieren, auch dieses Best Practice von einem kleinen Land, Beispiel Estland, auch in so einem großen Land wie Deutschland passiert? merkst schon. Das ist zum Beispiel auch für dein Lieblingsthema, dass wir auch mit dem jungen Politiker von der FDP hatten, das Thema Bürokratie abbauen. Das ist ein Riesenthema, wo Menschen direkt merken würden, wie du sagst, in der Verwaltung, aber auch Unternehmen, wenn sich da was tut, dann wirkt sich das eins zu eins auf meine Lebenswirklichkeit aus, weil ich nie nur merke, ich kann mir das digital... mich anmelden, Bewohner Parkausweis sondern ich weiß auch das hinten dran, dass alles digital weiterläuft, was du, glaube ich, mit diesem End-to-End meintest. Also wenn nicht irgendwo doch ein Fax dazwischen ist oder irgendwas ausgedruckt wird. Hast du denn neben diesen Umsatzteuerbeispiel, weil das finde ich, also 9 Milliarden einfach mal so mehr in der Tasche zu haben, dann müssten wir gar nicht mehr so viel über das Bürgergeld reden, was ja auch gerade am anderen Ende gemacht wird. Hast du noch andere Beispiele aus deiner Berufspraxis, die du mit reinbringst in die Politik, wo Behörden besser werden können und zwar absehbar besser?

Frances: Ja. Was für mich ein sehr, sehr wichtiger Punkt auch ist, ist die europäische Zusammenarbeit von Arbeitsministerien. Weil wir stehen vor einem enorm demografischen Wandel. Ihr wisst es mit Sicherheit, in den nächsten paar Jahren werden sehr, viele Menschen in Rente oder Pension gehen. Und durch diesen demografischen Wandel stehen wir vor einem enormen Arbeits- Fachkräftemangel. Und wir müssen einfach die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsministerien im Ausland und mit den deutschen Behörden ausbauen, sodass beispielsweise Abschlüsse einfacher und schneller anerkannt werden. Wir haben so viele Menschen, hier sind, die arbeiten wollen, die aber nicht arbeiten können oder die total toll ausgebildet sind.

Nicola: okay.

Frances: Ich meine, alle kennen dieses Beispiel,

Nicola: Mmh.

Frances: ein Arzt kommt nach Deutschland, hat aber irgendein Modul in seinem Studium nicht belegt oder es ist irgendwie, keine Ahnung, sein Zeugnis ist nicht richtig übersetzt worden und der arbeitet dann jetzt hier als Krankenpfleger. ich meine, dass wir Ärzte brauchen, ist uns allen klar, dass die Menschen hierher kommen und nicht arbeiten können. Das ist halt ein Punkt, den wir angehen müssen. Also diese Abschlüsse müssen anerkannt werden und die Arbeitsministerien müssen zusammenarbeiten und die müssen auch frühzeitig Personen quasi zu uns holen. Also beispielsweise auch muss mit den Universitäten viel, viel stärker gearbeitet werden und auch den Berufsschulen, dass Menschen aus dem Ausland nach Deutschland kommen und hier arbeiten wollen und vor allen Dingen nicht nur irgendwie bei den Universitäten, dass sie hier sind und irgendwie hier vielleicht studieren wollen.

Nicola: Ja. Dann.

Frances: sondern dass sie sagen, Deutschland ist so ein tolles Land, ich möchte hier bleiben und mein Leben hier verbringen und hier arbeiten. Das ist auch noch Punkt, den wir angehen müssen. dieses Berufsschul- oder Ausbildungsthema wieder zurückzukommen, da ist auch eine Digitalisierung essentiell. Dass das zwischen den Arbeitsministerien vernünftig läuft, dass sie miteinander kommunizieren. und dass sie irgendwie ein einheitliches System haben, dem sie arbeiten, da müssen wir hin, meiner Meinung

Markus Franz: Digitalisierung ist übrigens eben auch, wie immer diese Wörter mit UNG am Ende herausfordernd. Digitalisierung ist eben so schwammig. haben was für Europa zu verdanken haben, dass ich für Bundesunternehmen nicht mehr arbeiten möchte als Selbstständiger, weil die europäische Rechnungslegung bei Bundesbehörden ist so dermaßen kompliziert, dass ich das das erste Mal gemacht habe. Da war eine Broschüre dabei mit 16 Seiten. Dann war eine Hotline-Nummer, weil die schon wussten, dass man das nicht versteht. Und die Ministerien konnten mir selber nicht helfen, in mehreren Versuchen diese Rechnungen ordentlich zu stellen. Mittlerweile, man findet ja immer Wege drum herum, das so, weil die können Rechnungen bis 1000 Euro noch nicht mit diesem europäischen System machen. Dann stelle ich eine Rechnung auf 4000 Euro, stelle ich vier verschiedene Rechnungen, 1000 Euro, drum herumzukommen. Kriege ich so einen Hals auf Europa und ich kriege so einen Hals auf Digitalisierung. Jetzt bei meiner Steuererklärung in diesem Jahr, was ich für einen zusätzlichen Aufwand habe, in dem ich fucking digitalisieren muss, jetzt alles fotografieren muss, die ganzen Bahnrechnungen und so, alles irgendwo eingeben und so weiter, habe ich einen Graus. Ich will dich auch hier nur darauf hinweisen.

Nicola: Ja.

Markus Franz: Ich will dich nur darauf hinweisen, einem Schlagwort wie die Digitalisierung kommt man eben nicht weit und mit Europa kommt man auch nicht weit. Wenn, dann müsste man es vielleicht wie Macron machen, der die Werte so hervorhebt. Aber Europa selber ist für viele Leute eine unfassbare Belastung und bedeutet eben ganz viel Bürokratie und ganz viel Abstimmen. Ich selber weiß das auch mit den Arbeitsämtern, dass sie sich abstimmen sollen. Ich selber sehe da einige, die sehen das auch positiv.

Nicola: Ja, das stimmt.

Markus Franz: Nur sagt den Leuten das mal auf der Straße. Das bedeutet auch wieder mehr Bürokratie. Hört sich jedenfalls danach an. Insofern fehlt mir auch hier noch mal so ein bisschen mehr die Leidenschaft und das Gefühl, dass die Leute von der Straße da irgendwie wirklich packen.

Nicola: Europa positiv aufzuladen, meinst du jetzt?

Markus Franz: Ja, genau. Überzeug mich mal von Europa. Oder von dem, was du für Europa willst. Macron schafft das. Macron schafft das.

Frances: Okay. Also ich glaube Europa ist für uns halt einfach wichtig, wir also die Herausforderungen, sorry für das Wort, ich kann es auch Probleme nennen, aber ich finde Probleme ist immer so nicht so gut. Also die Herausforderungen, die wir aktuell haben, das sind halt alles Herausforderungen, die wir nicht alleine stemmen können und das muss uns bewusst sein. Also wir leben in einer Welt mit Klimawandel und Krieg und

Markus Franz: nehm es so

Nicola: Ja. Mm.

Frances: Das muss halt gemeinsam angegangen werden. wir brauchen auch irgendwie, also auch die Infrastruktur muss zusammenpassen. Und wir brauchen halt diesen Zusammenhalt. Wir brauchen auch, also wir müssen uns auch gemeinsam irgendwie auf einen Verteidigungsfall tatsächlich vorbereiten. Leider. Und.

Markus Franz: Will die CDU ja auch, will die FDP auch.

Nicola: Ja,

Markus Franz: Wollen selbst die Grünen wollen das auch.

Nicola: aber schau, man kann sich ja mal einig sein.

Frances: Ja, das ist super, dass Sie das wollen. Also ich wäre auch traurig, wenn Sie es nicht wollen tatsächlich. also das ist ein Fakt. Und nur weil irgendwas in allen Parteiprogrammen steht, ist es doch, also das ist ja dann nicht schlecht meiner Meinung nach. Also es ist dann ja, dann sind wir uns wenigstens mal einig und wissen, was halt tatsächlich essentiell ist und können das gemeinsam auch angehen, hoffentlich. Und ohne, dass sich dann wieder irgendwer querstellt.

Nicola: Ja.

Frances: Ja, also das ist, wir können, wir können, also wenn wir eine Partei sind,

Nicola: Ja.

Frances: die nur die Themen angeht, die die sonst niemand anspricht, ich glaube dann können wir keinen Blumentopf gewinnen. Also das ist dann, dann sind wir irgendwie bei der Partei, ich weiß nicht wie sie genau heißt, die sich dafür einsetzt, wir, dass wir für immer leben können, aber da wollen wir nicht hin. Also Politik bedeutet ja auch irgendwie...

Markus Franz: Die Sache ist nur wie...

Frances: diskutieren und dann aber auch irgendwann hoffentlichen Konsens finden und gemeinsam daran arbeiten, dass es halt der Gesellschaft gut geht. Also wenn wir nur streiten und nur immer den Finger irgendwo draufhalten und sagen du, du, hast was schlecht gemacht, also das haben wir gerade und da müssen wir von weg. Wir müssen halt wieder diese Gemeinschaft finden und gemeinsam an einem Strang ziehen. Also das ist halt das, was wir brauchen und wir brauchen da irgendwie einen Kleber und ich glaube, das wollte werden immer so bezeichnet, ja, ihr habt ja auch soziale Ansätze und liberal und dann seid ihr grün. Ja, sind wir. Wir könnten ein Kleber sein für den Bundestag tatsächlich.

Nicola: Also das ist wirklich auffällig. Du hast das Wahlprogramm, ich glaube das hat über 165 Seiten. Ich habe es nicht durchgelesen, aber man kann zumindest nicht sagen, dass es an Inhalten fehlt. glaube da kann man Quantität schon mal einen Haken dran machen. Aber was ich schon finde, das ist mir auch aufgefallen,

Markus Franz: zu führen.

Nicola: Du hast es jetzt Kleber genannt, das finde ich übrigens ein sehr schöner Begriff dafür. Also man würde auch sagen koalitionsfähig, weil es gibt genügend Themen, wo ihr sagt, da stimmen wir eigentlich mit anderen überein. So und anders als der Politikberater Markus, sage ich, ich finde das gut eigentlich, wenn es ab und zu auch mal ein Klebestellen gibt, wo man merkt, ja es geht nicht nur darum, sich immer raus zu positionieren, sondern ab und zu auch zu sagen, ey, finden wir auch gut. Und jetzt können wir über das sprechen, wo wir übrigens nicht übereinstimmen, wie gehen wir denn da voran?

Markus Franz: Ja, aber das reicht doch nicht. Wenn jetzt VOLT dasselbe sagt wie die großen Parteien, dann kann man auch gleich die großen Parteien wählen. Die Sache ist, VOLT kommt aus dem Nichts. Okay, gibt es jetzt schon ein paar Jahre. Insofern muss man doch irgendwie sehen, was ist da wirklich der andere Ansatz? Mir ist das persönlich total sympathisch. Best Practice und sowas, alle aufeinander zugehen. Sogenannt Common Ground, also Gemeinsamkeiten suchen. Ist mir alles super sympathisch. Nur die Frage ist eben, Wenn ich von VOLT aber nur dasselbe zu hören bekomme, was ich von den anderen zu hören bekomme, warum soll ich dann VOLT wählen? Das wäre dann eben meine Frage. Ich sage, ich suche verzweifelt nach einer Partei, die ich wählen kann, noch habe ich es nicht. Das ist auch mit dem Kleber und so weiter, das würde mir jetzt noch nicht reichen.

Frances: Ja, also ich kann es nur nochmal wiederholen. Wir sind eine paneuropäische Partei, sprich wir sind zusammengesetzt aus 31 verschiedenen Ländern. Wir haben 31 verschiedene Perspektiven, die alle irgendwie uns unterstützen und mit denen wir gemeinsam arbeiten. Wir haben unseren Best Practice Ansatz, wo wir Erfolgsmodelle aus ganz Europa uns suchen, die wir in Deutschland umsetzen könnten. Wir möchten

Markus Franz: Gut.

Nicola: Ja.

Frances: pragmatisch die ganze Sache angehen. Also nicht immer alles bis zum Ende diskutieren und irgendwie... Also wir brauchen jetzt mal irgendwie so einen Anstoß. Wir möchten eine Transparenz auch in die Politik bringen. Wir möchten wieder eine gewisse Positivität auch tatsächlich in die Politik bringen. Also es ist wirklich dieses Aufeinander-rum-Gehacke und immer nur in die Kerbe schlagen. Das bringt uns einfach nicht weiter. Wir müssen positiv... Dinge angehen und in die Zukunft schauen. Wir müssen klimafreundlicher werden. brauchen auch an einigen Stellen immer noch viel oder wir brauchen an sehr, vielen Stellen Digitalisierung. Und wir müssen auch die Bürgerschaft mit einbeziehen. Wir müssen bestimmte bestimmte Punkte finden, wo die Bürgerschaft sich einbringen kann. Wir müssen Politik wieder anfassbar machen. Und wenn das einfach heißt, dass zu bestimmten Themen Bürgerbefragung, Bürgerinnenbefragung durchgeführt werden, das ist halt ein Punkt.

Nicola: Ja. Oui.

Markus Franz: Wie zum Beispiel, was auch immer. Mh.

Frances: Das gibt es aktuell super wenig oder teilweise gar nicht. Der Bundestag repräsentiert eine riesige Bevölkerung und die Meinung muss eingeholt werden. Wir müssen teilweise auch bisschen sozialer werden, müssen inklusiver werden.

Nicola: Absolut.

Frances: Wir haben immer noch super viele Stellen, an denen Menschen einfach ausgeschlossen werden. Das fängt beispielsweise an, ich habe mich letztens mit der Lebenshilfe getroffen und bin durch die Stadtteile gegangen hier in Düsseldorf und es fängt schon damit an, dass wir an der Straßenbahn stehen und die Menschen teilweise nicht in die Straßenbahn einsteigen können, weil die so alt sind, dass man da noch Treppen hochgehen muss. Und dann stehst du da mit Menschen, die sagen,

Nicola: Okay. Ja.

Frances: Ich kann meinen Wohnort hier nicht verlassen, ich kann nicht in die Stadt fahren, weil ich in diese Straßenbahn nicht reinkomme und es mir nicht leisten kann, ein Taxi zu nehmen. Und davon müssen wir weg. Wir müssen tatsächlich wieder diese Perspektiven einholen von allen Menschen und nicht nur irgendwie gucken, ja wie kann ich mir jetzt da selbst einen Vorteil verschaffen, sondern wir müssen mit Menschen reden, wir müssen zuhören, wir müssen empathisch sein. Das fehlt aktuell.

Markus Franz: Seid ihr eigentlich, also Moment seid ihr für mich die Partei, ich mach das ganz ernst und ich meine das total, ihr seid die Netten bisher. Wenn du das Gesicht eurer Partei bist, dann würde ich sagen echt sympathisch. Ich mag diese Leute und diese Grundwerte, die teile ich auch alle und die brauchen wir alle. Trotzdem wäre eben bisher, wäre mein Label, die Netten. Gibt es irgendwas, wo ihr auch radikal seid oder irgendein Anker, wo ihr so einen Flock einschlagt und wo man sagt, woran man sich so festhalten kann? Dass man sagt, Jo, das musste jetzt auch mal gesagt werden. Gibt es da irgendwas bei euch?

Frances: Ich glaube schon, dass wir deutlich sind, wenn uns irgendwas nicht passt. das ist beispielsweise saß ich auf dieser Podiumsdiskussion vor ein paar Tagen mit dem Bundesvorsitzenden von den Julis, der Jusos und der JU und die haben sich nur gestritten und dann habe ich gesagt Leute, hört auf und arbeitet vernünftig zusammen und seid pragmatisch und progressiv in eurer Vorgehensweise. Es kann so nicht weitergehen. da sind wir schon sehr deutlich und wir lassen uns mit... Also klar sind wir nett, vielen Dank übrigens für das Kompliment. Klar sind wir nett, aber wir lassen uns mit Sicherheit nicht die Butter vom Brot nehmen. wenn irgendwas ganz quer geht mit unseren Werden, werden wir da halt auch nicht mitgehen.

Nicola: Okay. Vielen

Frances: Aber wir sind halt trotzdem irgendwie in einem gewissen Maß kompromissbereit und beharren nicht irgendwo drauf und sagen so, ja, ich spreng hier lieber eine Regierung, bevor ich mich irgendwie irgend wem annähere. Also da, das ist halt der Unterschied vielleicht tatsächlich.

Nicola: Kommen wir zu

Markus Franz: ihr seid.

Nicola: mehr Arsch weniger Hose, noch mal einen kleinen Schwenk vom Thema zu machen. Noch mal zurück zu den jungen Wählern und dann meine Frage an dich. Also unser junger FDP-Politiker hat für sich auch eingesehen und gesagt hat, die ganzen Jungen, die wir bei der letzten Wahl gewonnen haben, die hatten ja viel zu gewinnen von jungen Wählern genauso wie die Grünen, war so realistisch zu sagen, okay, da werden wir viele auch wieder verlieren und seine Prognose wäre, dass sich gerade jungen Wähler... Bei dieser Wahl eher an den Grünen oder an die AfD wenden. Was sagst du dazu oder andersrum, was würdest du dir von jungen Wählerinnen wünschen für diese Wahl?

Frances: Ich würde mir wünschen, dass Sie VOLT wählen. Also ich glaube, wir haben in der Europawahl tatsächlich schon gezeigt, dass wir definitiv eine Möglichkeit sind für junge Wählerinnen. Also wir hatten bei den unter 24-Jährigen bundesweit 9 Prozent, was schon eine sehr gute Zahl ist, würde ich sagen. Und ich glaube, dass die jungen Wähler, also

Nicola: Das sowieso, Warum?

Frances: Da kann ich vielleicht das Feedback wiedergeben, was ich letztens von jemandem bekommen habe. Mir wurde gesagt so, Frances, ich fand es total toll, wie du aufgetreten bist, weil du eben nicht irgendwie, du hast eine Frage bekommen und hast nicht erstmal versucht, fünf andere Thesen noch unterzubringen und irgendwelche fünf anderen Positionen zu nennen, sondern du

Nicola: Mhm.

Frances: hast auf die Frage geantwortet und zwar kurz und knapp und du hast gesprochen wie wir, du bist wie wir, du bist auf Augenhöhe.

Nicola: Okay.

Frances: Wir stellen die jungen Generationen da und wir sind stolz darauf, wir jung sind. sind stolz darauf, dass wir nicht wie irgendwelche 100 Jahre alten Berufspolitiker sprechen, sondern wir sind sehr deutlich in unseren Worten, wir sind sehr knapp in unseren Worten und wir versuchen alles auf den Punkt zu bekommen und die Menschen mitzunehmen. Uns sind die jungen Wähler einfach wichtig, logischerweise, weil das ist vielleicht auch gewisser Egoismus, denn wir sind selbst noch so jung. Und ja.

Nicola: Vielleicht auch in einem anderen Politikstil.

Markus Franz: Deine Sprache ist trotzdem an die Jugend vielleicht, aber elitär. Egal face to face, du bringst so viele Anglizismen rein, bestimmte Begriffe usw. Da fühlen sich 60-70 % der jungen Leute von vornherein ausgeschlossen. Das ist keine Kritik, ich stell's eben nur fest. Wenn du sagst, dass du an die jungen Leute rankommst, dann kommst du nur an eine bestimmte...

Nicola: Sie spricht aber gerade mit uns beiden.

Markus Franz: relativ elitären, sehr gebildeten Kreis von Leuten kommt ja mit dieser Sprache ran. Oder?

Nicola: Mh mh mh mh

Frances: weiß ich nicht. Ich glaube, rede tatsächlich. klar, unsere Sprache hat sich ja auch entwickelt in den letzten Jahren. Also ich glaube schon, dass ich nicht so weit weggefallen bin. Klar, ich habe ein Masterstudium absolviert und ich bin Unternehmensberaterin für die Bundesbehörde. Natürlich habe ich einen gewissen Sprech drauf. Ich will mich da auch nicht verstellen. Aber ich meine...

Markus Franz: Gott ist warm.

Frances: Auf unseren Plakaten bei der Europawahl stand sei kein Arschloch. Ich weiß nicht, ob das jetzt so elitär gewesen ist. Ich bin großer Fan von diesem Plakat. Ich hab's gerahmt in meiner Küche. Ich find's mega geil. Es hat viele angesprochen, zwar nicht nur junge Menschen, sondern auch alte Menschen oder ältere Menschen.

Nicola: ...

Markus Franz: Das scheint zu passen. Der

Nicola: Ja.

Markus Franz: Eindruck, den du machst, sei kein Arschloch, sei nett usw. Den Eindruck hast du jetzt hier vermittelt. ist nur die Frage, wie weit kommt man damit, so nett zu sein? Aber denk einfach, Frances denk darüber nach, hör dir das mal an, was du sagst, vielleicht diesen Podcast oder irgendwas anderes. Und achte einfach darauf, welche Wörter für die meisten Leute noch schwer sind. Ob die da wirklich eine klare Antwort haben.

Nicola: Mh. Ja.

Markus Franz: Denk nochmal drüber nach, ist das wirklich alles beispielhaft genug, dass Leute wirklich dafür interessieren, sagen, ja stimmt, wow, interessant und so weiter. Inwieweit hebt ihr euch wirklich mit der Sprache ab von den anderen Parteien? Das wäre nur das, was mir dazu einfällt.

Frances: Unser Wahlprogramm wird es auch in Leichter-Sprache geben, sodass es möglichst barrierefrei ist und von jeder und jedem gelesen werden kann.

Markus Franz: Das ist sehr vernünftig.

Nicola: Super, Ja, Frances Mensch, du hast ja sogar, legst du gerade eine der Arbeitspause ein, wenn ich das richtig weiß, bis zur Wahl, dich da voll und ganz drauf konzentrieren zu können. Insofern kann ich dir nur das Beste wünschen, dir persönlich, für den ganzen Einsatz, den du zeigst und für die charmante Entgegennahme der guten Tipps von alten weißen Männern.

Frances: Genau. Danke.

Nicola: von Markus

Frances: Hahaha.

Markus Franz: Genau, nennt euch einfach jetzt die Netten. Das ist, was ich wirklich die netten... das wollt, wir sind die netten.

Nicola: Und ich muss sagen, ich finde es herrlich erfrischend mit so einer ganz einfachen Sache, wir sind die Netten. Wir wollen wieder einen anderen Stil einführen und sind auch nett genug, sogar anderen zu sagen, ey, das finden wir gut, das wollen wir auch so. Finde ich jetzt eher sympathisch, man kann es anders sehen. Das ist das Schöne, wenn man die Wahl hat unter immer mehr Parteien, unter anderem auch für VOLT. Insofern, vielen Dank für deine Zeit, für das Gespräch.

Frances: Regen,

Nicola: für deine Ausführungen und ja, wir drücken die Daumen. Toi, toi!

Markus Franz: Alles Gute!

Frances: Vielen Dank.

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