#24 Mehr Arsch weniger Hose - Handwerk neu denken
Shownotes
'Ich wollte schon immer Bäcker werden' Und gründet 2017 seine eigene Bäckerei in Düsseldorf. Michael Gauert nimmt seinen Sauerteig auch mit in den Urlaub, wenn es sein muss. Sauerteig ist das Herzstück seines Brot, das auch alt werden darf, und trotzdem noch schmeckt. Ausser Sauerteig, Mehr, Salz und Wasser lässt er auch nicht viel mehr rein.
Wer will da noch Industriebrot essen, in dem rund 200 Zusatzstoffe erlaubt sind, die da eigentlich aus Brotsicht nichts zu suchen haben.
Markus und ich sind ziemlich begeistert von der Geisteshaltung, wie Michael auf seinen Sauerteig wie auch auf sein Team achtet. Er hat keine Personalnot, zahlt über Mindestlohn und lässt schon mal die Puppen tanzen in der Backstube.
Welche Preistreiber Brot teuer machen, warum er nicht so gerne Croissants backt, warum Mehl nicht gleich Mehl ist und was selbst beim Vollkornmehl nachgefragt werden sollte, darüber reden wir und noch mehr:
00:00 Einführung in die Bäckerei und persönliche Geschichten 03:03 Der Weg zur Selbstständigkeit und persönliche Veränderungen 05:55 Moderne Bäckerei: Kundenansprache und Atmosphäre 08:52 Musik und Arbeitsumfeld in der Bäckerei 11:57 Herausforderungen bei der Ausbildung von Bäckern 15:10 Die Bedeutung von Arbeitszeiten und Flexibilität 17:55 Qualität und Handwerk in der Bäckerei 20:57 Zutaten und Philosophie des Backens 24:49 Das Geheimnis des Sauerteigbrotes 30:12 Preise und Kosten im Bäckerhandwerk 35:19 Bürokratie und ihre Auswirkungen auf Bäckereien 39:39 Internationale Erfahrungen und persönliche Entwicklung 44:55 Zukunftsvisionen und Wachstum
mit Tipps für die richtige Aufbewahrung für Brot zuhause, sein Top Tipp für altes Brot, aber vor allem vermittelt er: wer Bock hat, kann auch in der heutigen Zeit erfolgreich ein Backhandwerk aufziehen - und mehr Arsch in der Hose zeigen.
Wir freuen wir uns auf Dein Kommentar, Lob, Kritik und Ideen auf Linkedin oder direkt an: nicola@wies-doch-geht.de
Unsere Shownotes:
Zur Bäckerei BULLE geht's hier
Transkript anzeigen
Nicola: Hallo Markus, hallo Michael.
Markus Franz: Hallöchen!
Michael: Hallo Nicola
Nicola: Wir haben heute einen echten Bäcker hier mit in unserem Podcast, mehr Arsch weniger Hose, der das genau gezeigt hat. Der hat sie nämlich selbstständig gemacht vor sieben Jahren und das, obwohl er gar nicht auf den Bäckerhaushalt kommt. Aber bevor wir da drauf kommen, Markus, gibt es bei dir die Ecke noch einen heimischen Bäcker, wo du dann Brot kaufen kannst?
Markus Franz: Ja, also gerade ich wohne an so einem See in Brandenburg, zwei Kilometer außerhalb von Berlin und da hat tatsächlich vor zwei oder drei Jahren so ein Bio-Bäcker aufgemacht, unfassbar. Und da muss man jetzt sogar vor neun Uhr möglichst da sein, sonst kriegt man eigentlich kaum noch was. Also es läuft total super. Der hat nur montags geschlossen, sonst hat er jeden Tag auf, ziemlich lange, funktioniert.
Nicola: Okay. Ahja! Ja, auf dem Land bei Berlin. also Bio-Bäcker nenne ich dich jetzt auch mal einfach. Du kannst es gleich korrigieren. Michael, du hast mit der Bäckerei BULLE vor sieben Jahren die selbstständig gemacht. Und wie so läuft, kannst du uns gleich selbst erzählen. erst, ich habe gelesen, da wollte ich gleich mal fragen, stimmt das, dass du mit zehn Jahren als Junge schon wusstest, dass du Bäcker werden willst?
Michael: Ich weiß nicht, ob es 10 Jahre waren oder 9 oder 8 oder vielleicht auch 12. Das verschwimmt ja irgendwann. Genau, ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich als kleiner Junge durch die Gegend gelaufen bin und gesagt habe, ich möchte Gernbecker werden. Und näher kann ich das aber auch gar nicht beschreiben. Warum und wieso?
Nicola: Ja, also du kommst auf jeden Fall nicht aus einer Bäckerei-Dynastie, wo es nahe gelegen hätte.
Michael: Nee, ganz und gar nicht. hatte keinen Onkel, keine Tante. Ich höre von vielen Kunden immer, die alles Mögliche in der Familie haben, unter anderem Bäcker. Ich hatte niemanden, auf den ich da zurückgreifen konnte.
Nicola: Das heißt, als es soweit war, sich Gedanken zu machen, was man jetzt so werden will, nach der Schule bist du direkt in die Ausbildung zum Bäcker gegangen.
Michael: Genau, ich war auf dem Gymnasium und habe dann auch irgendwann gesagt, Oberstufe brauche ich gar nicht machen. ich habe mich schon nach der Zehn oder schon im neunten Schuljahr habe ich mich darum gekümmert, dann eine Ausbildungsstelle zu finden, habe mich dann umgeguckt und bin dann ganz pünktlich nach der Grundstufe abgegangen.
Nicola: Und die unseligen Arbeitszeiten, die haben dich noch nie gestört.
Michael: Gut finde ich sie auch nicht. Aber es hat mich nie belastet, erst Recht nicht im Vorhinein. Ich bin so jemand, der immer müde ist. Ob der Wecker um 6 Uhr schellt oder um 7. Oder um 3. Ich würde am liebsten immer liegen bleiben.
Nicola: Mhm. Ja. So geht es mir auch manchmal. Aber dir bleibt jetzt nichts anderes übrig. Und als Gründer und Unternehmer, der jetzt auch dafür verantwortlich ist, dass die Rechnungen am Ende des Monats auch bezahlt werden. Was hat sich denn da für dich geändert vor sieben Jahren? Auch für dich persönlich?
Michael: Es war natürlich besonders am Anfang eine unglaublich intensive Zeit. Da denke ich immer noch gerne dran zurück. Gucken auch immer mal wieder, indem man sich natürlich mal Bilder anschaut oder so. ich habe schon immer sehr selbstständig gedacht, auch immer im Beruf davor. Vom Arbeiten her selber hat sich gar nicht so unglaublich viel geändert, außer dass ich mich etwas freier gefühlt habe. Plötzlich mache ich das nicht mehr für jemand anders, sondern für mich. Also auch dieser Druck, der war bei mir tatsächlich eher weg. Ich bin mir selber ein bisschen entspannter gegenüber. was manchmal Zahlen angeht oder Zeitpunkte, wo man ausverkauft ist oder was man nachher noch über hat. Da bin ich mit mir selber nicht ganz so streng. Wie ich oft das Gefühl habe, dass andere
Nicola: Okay. Vielen Dank. Vielen Dank. Mh.
Michael: vor mir mit mir waren, ich in relativ starken Positionen gearbeitet habe. deswegen habe ich mich sehr schnell schon sehr frei gefühlt. Kann ich gar nicht genau beschreiben. Der Druck war gar nicht so hoch jetzt. Natürlich, wenn die Zahlen mal nicht so sind, mache ich mir auch immer schnell einen Kopf. Aber habe ich bis jetzt noch nicht so oft gehabt, dieses Gefühl.
Nicola: Okay. Vielen
Michael: Und wir passen zum Ende.
Nicola: Würdest du dem zustimmen oder ist das ein komischer Begriff für dich? Aber von außen, nehme ich dich hier in Düsseldorf schon bisschen als den Hipsterbäcker wahr. Zumindest von den Leuten, zu dir kommen. bin ja auch regelmäßig bei dir und wenn ich dann so mich umgucke, denke ich mir, wow, das ist schon... Irgendwie sind das andere Leute als die, die ich zum Beispiel bei deinem Lehrherren oder wo du davor warst, beim Bäckermeister Hinkel stehen.
Michael: Das hat natürlich mehrere Gründe. Zum einen liegen wir in unsere kleine Hausbäckerei, wo alles angefangen hat, liegt in Flingern. Das ist natürlich so ein typisches Viertel wo man viele hippe Leute trifft und demnach natürlich auch am Anfang solche Kunden nur abgrast. Aber wir spielen dann natürlich auch mit diesen ganzen Gefühlen einer noch so jungen Bäckerei. Das ist natürlich alles nicht so... eingestaubt oder also hat ja gar keine Chance eingestaubt zu sein, weil wir noch so jung sind. sehr viele oder eigentlich nur junge Mitarbeiter, obwohl ich da gar keinen Wert drauf lege, dass sie jung sein müssen. Aber ich würde sagen, es läuft immer gute Musik oder Musik, die eben so bisschen zum zur Bewegung auch einlädt, weil wir uns auf der Arbeit bewegen müssen. Ja, also das ist mehr für uns als für die Kunden. Aber es freut mich auch immer ungemein, wenn ich Kunden im Wartebereich tanzen sehe. Ja.
Nicola: und die der der der der Stärken der der
Michael: Ohne da jetzt nicht allheilig eine Disko sein zu wollen. Wir sind schon eine Bäckerei, das ist eben alles noch sehr jung, neu, genau.
Markus Franz: Was heißt denn modern?
Michael: Einfache reduzierte Optik, Holz und Brot. Wände dürfen auch mal weiß sein, ohne klinisch zu wirken. Viele Arbeiten, die wir erledigen, transparent gestalten zu wollen. Wir haben die Backstube dort, wo die Kunden auch hingucken können. Bestenfalls sogar mit der Bäckerin oder dem Bäcker kommunizieren können.
Nicola: Ich glücklich, Arbeit
Michael: Also mal winken, mal allein schon einen guten Morgen sagen. Ja, Markus, kommst du bei uns in die Bäckerei und sagst guten Morgen. Kommt in der Regel vier, fünf guten Morgen zurück.
Nicola: BVB Arbeit BVB Arbeit Arbeit Arbeit
Michael: so bisschen halt einfach sehr offen, ehrlich. So, das ist der Wunsch dahinter. Und demnach auch modern. Das war mal anders, dass man Sachen ja vielleicht verstecken wollte, musste. Keine Ahnung.
Markus Franz: Interessant, dass das jetzt modern ist, wenn man höflich ist und Leute grüßt usw. Musstest du deinen Leuten das sagen, dass sie grüßen sollen und so offen rüberkommen oder suchst du die Leute von vornherein danach aus und ihr müsst da gar nicht drüber reden?
Michael: Bestenfalls bringen die Leute das schon mit. Diese Eigenschaft sollte eigentlich nicht modern sein. es fällt einem natürlich leichter, wenn der Chef vorgeht und eine sehr entspannte Art dem Kunden gegenüber vorlebt, auch selber entspannt dem Kunden gegenüber zu sein. Es muss nicht immer übertrieben werden. muss jetzt nicht direkt die Kundin, die das erste Mal reinkommt, den Kunden duzen, als wäre es mein bester Freund. muss nicht sein und empfinde ich dann auch schon wieder nicht mehr unbedingt als höflich, aber dass wir eben schon dahin gehen, dass wenn ich da drei Kunden hintereinander habe, wo ich den Vornamen kenne, du kommst jetzt bei mir einkaufen und du schaust mich dann so an, dass ich auch manchmal dahin komme und sage, hör mal, wie heißt du denn mit Vornamen, weil das ja dann schon fast höflich und standard ist, dass ich eben dich möglichst dann auch mit Vornamen begrüße. Das fällt natürlich den Mitarbeitern auch viel leichter, dann in so eine Kommunikation zu starten mit dem Kunden.
Nicola: Vielen Ja. Mhm.
Michael: Ja.
Markus Franz: Jetzt mal was heißt moderne Musik eigentlich oder gute Musik das macht mich nervös
Michael: Was läuft bei uns meistens? Wir sind eigentlich gar nicht verbissen, aber es läuft immer gerne was mit mit leichten Beats in Richtung ganz leichten House. Aber auch öfter mal 80er Jahre lädt auch immer gut zum Tanzen ein. 90er Jahre sowas.
Nicola: Also ihr seid eigentlich gar keine Bäckerei, sondern ein Club irgendwie, wo man nebenbei ja noch backt.
Michael: Ja, ja, ja. Ich höre manchmal natürlich auch schon mal Kunden, sagen, auch könnte man bisschen leiser machen, was nicht sein soll. Wir wollen uns ja schon verstehen und verständigen können. ich finde, das gehört so bisschen dazu. in der Backstube, ich kenne keine Backstube, wo keine Musik läuft. Und da wir eben so ein offenes Konzept haben und die Backstube wirklich angrenzend ist am Verkauf.
Nicola: Ach was, okay. Ja.
Michael: und die Scheibe da nicht bis zur Decke hochgezogen ist, kommt die Musik aus der Backstube da hin. Also man muss da wenn dann eher die Backenden versuchen zu bremsen als den Verkauf.
Nicola: Mh mh mh mh mh mh mh Okay.
Markus Franz: Habt ihr eine einheitliche Uniform, so was wie eine Schuluniform oder so?
Nicola: Danke schön.
Michael: Wir geben T-Shirts Shirts vor. Alles andere kann man selber entscheiden. Mütze darf man selber entscheiden. Der ist eher aus hygienischen... doch das geht. Nasenring geht noch, wenn es nicht übertrieben ist. Ansonsten, genau, Ringe an den Händen und sowas geht natürlich nicht. Kette geht auch nicht. Genau.
Markus Franz: Nasenring.
Nicola: Das ist ein Intermittenten.
Michael: Aber wenn es ganz klar ist, dass der Nasenring nicht ausweichen kann, dann ist der erlaubt. Genauso wie Zungenpiercing. Ist aber weder gewünscht noch verboten. Ich bin keiner, der jemanden sucht, der ein auffälliges Tattoo hat. Aber genau, wenn es dabei ist, ist es okay.
Nicola: Das heißt, Personalprobleme oder genügend Leute zu finden, haste keine.
Michael: Haben wir keine? Nein? Wobei man eben dazu sagen muss, wir kriegen immer viele Leute, die bei uns arbeiten wollen, aber das Know-how muss angelernt werden und ist mit unserem Recht schwierig zu vermitteln. Also es dauert einfach. Bei uns ist die Ausbildung von Mitarbeitern, Mitarbeiterinnen ist unglaublich schwierig. Also es dauert.
Nicola: Mhm.
Markus Franz: Wieso? Was dauert da so lange? Was ist da so schwierig dran?
Michael: Selbst wenn ich jetzt alleine nur auf den Pool von Bäcker, der Bäcker-Ausbildung zurückgreife, dann wird auch das nicht so gelehrt, wie man das im reinen Handwerk nachher gerne hätte. immer viel mit Malzen, viel mit kurzen Teigführungen.
Markus Franz: Was heißt, kurze Zeitführung? Was heißt das?
Michael: Eine kurze Teigführung ist so, wie wenn du jetzt zu Hause dein Backbuch aufschlägst, zu 90 % oder wahrscheinlich 99 % der Fall ist, dass da eben so viel Hefe drin ist, dass du nach 2-3 Stunden das, was du gerade als Teig hast laufen lassen, schon in den Ofen schmeißt. Und das macht man, also...
Nicola: Genau, erzähl doch mal, also komm mal zum Essen. Das liegt ja auch nahe bei einer Bäckerei. Also ich kann mal sagen, warum ich zu dir komme, nicht nur weil...
Markus Franz: Warte mal, sorry, ich finde das mit der Ausbildung total spannend nochmal. Wenn es geht, Leute zu finden und so, man sagt ja immer, ist schwer zu finden, dann klagen alle, die sind auch gar nicht bereit, wirklich viel zu arbeiten. Also zum Beispiel bleiben die Leute bei dir auch länger oder hauen die dann schnell wieder ab oder du hast dir was vermittelt und dann sitzen sie schon wieder weg oder wie es halt mit der Arbeitseinstellung usw.
Nicola: Ja, das ist das Ohme.
Michael: Das ist ein total schwieriges Thema. Natürlich sind wir nicht mehr in der Zeit von vor ... Jetzt muss ich überlegen. Ungefähr 20 Jahre ist es her, da hab ich die Ausbildung gemacht. Und da war das eigentlich schon gerade so weg. Beziehungsweise nur noch da, weil es eben die älteren Altgesellen, wie man das gerne schimpft, vorgegeben haben. Dieses typische, ach, sechs Tage Handwerk ist ja wohl okay. Zehn Stunden arbeiten ist da wohl kein Grund zu meckern.
Nicola: Ich
Michael: Das ist nicht mehr so da. Aber das finde ich auch total legitim. Der Normalfall ist doch in meinen Augen 40 Stunden. Also fünf Tage, acht Stunden. Und wenn jemand sagt, ich möchte gerne etwas weniger arbeiten, ist das auch okay, wenn er diesen Wunsch äußert. Ich finde, nach einem Wunsch kann man sich gerne dann richten, wer das frei kommunizieren kann. Aber diese Zeiten, aus meiner Sicht sind die vorbei, dass jemand automatisch sechs Tage arbeitet. 9 oder 10 Stunden problemlos findet. nicht eine Woche, weil wir krank sind, sondern auf Dauer. So, das funktioniert heute nicht mehr und das finde ich auch richtig, dass das nicht funktioniert und ist und war auch nie mal Anspruch. So Leute, ich bin da immer schon sehr, sehr stringent dahinter, dass ich versuche, meine Mitarbeiter pünktlich nach Hause zu schicken oder die auch selber. In den meisten Fällen kannst du deine Arbeitszeit ja schon so selber gestalten, dass du weißt, wann kann man nach Hause gehen. Also nicht jede Arbeit muss jeden Tag gemacht werden. Manche Sachen kann ich vielleicht auch am nächsten Tag vorbereiten oder ich lasse ganze Arbeit noch mal weg, wenn ich weiß, ich bin schlechter besetzt. Also bei uns habe ich demnach kein Problem, da neue Leute zu finden, die diesen Weg mitgehen.
Nicola: Okay.
Michael: Dann machen die die Ausbildung. Das geht heutzutage relativ schnell. Kommt darauf an, welcher Entwicklungsstufe die zu dir kommen. Die ganz normale Auszubildende, die es früher gab, die habe ich bei mir so nicht mehr. Jemand, nach der Realschule, nach der Hauptschule zu mir kommt und die Ausbildung zum Bäcker, zur Bäckerin zu machen, das ist vorbei. Bei mir sind es tatsächlich eher Abiturienten.
Nicola: Okay.
Michael: Leute, die vielleicht sogar schon studiert haben, die angefangen haben zu studieren, die sich so bisschen anders entwickeln wollen, die vielleicht auch fünf Jahre lang was anderes gemacht haben, ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung, also gejobbt in irgendeiner Modekette oder, und sich einfach mit dem Handwerk des Essens beschäftigen möchte. Und dann machen die die Ausbildung bei uns und das dauert dann
Nicola: Okay.
Michael: tatsächlich nur zwei Jahre mit guten Leistungen, verkürzten sogar auf anderthalb Jahre. Und dann gehen auch mit unter welche, die meisten. Das finde ich auch richtig, weil...
Nicola: Vielen Dank.
Michael: Eine Ausbildung macht man in meinen Augen nicht in einem Betrieb. Das war früher nicht ohne Grund üblich, eine Walz zu machen. Eine Walz hat ja eigentlich keinen anderen Sinn, andere Betriebe kennenzulernen. Nicht jede Bäckerei macht das Gleiche. Wir machen auch nicht alles. Auch nicht alles perfekt. Und ich finde es immer toll, wenn Leute gehen, vielleicht auch gerne zurückkommen. Aber solange gibt es uns jetzt auch nicht, dass jetzt alle schon wieder zurückkommen. Ja, so schaut es aus.
Markus Franz: Aber die bleiben im Beruf. Also die machen die Ausbildung. Also die wollen nicht mal irgendwas ausprobieren oder mal jobben oder so, sondern die machen die Ausbildung bei dir und dann bleiben sie im Beruf.
Michael: Das kann ich jetzt nicht für alle bestätigen. Ich habe auch welche, die teilweise wieder zurückgehen in ihren alten Beruf, aber den Fokus setzen, dass sie sich dann zum Beispiel eine Werbetexterin, die dann jetzt inzwischen bei einem Unternehmen arbeitet, was eben ganz speziell für so eine Backsparte dann auch was macht. Also wo ich schon sage, die bleiben irgendwo dem Handwerk oder zumindest dieser Richtung treu, aber gehen natürlich auch manche wieder zurück. Ja, Handwerk muss man auch leben und auch leben wollen. Also körperliche Arbeit gehört natürlich dazu, auch wenn es nicht mehr die 50 Kilo Säcke sind wie vor 25 Jahren.
Markus Franz: Das stört die Leute am meisten dann, wenn die dann ausscheiden, das früher aufstehen oder dann doch die schweren Säcke oder das Stehen in der Backstube oder
Michael: Also würde ich sagen, ist ganz unterschiedlich. Also Nachteil im Bäckerberuf ist natürlich ganz klar, dass Homeoffice ist nicht möglich, Hunde kannst du nicht mitbringen. Man ist auch relativ unflexibel schon. Also ich versuche mich schon auf alle meine Leute einzustellen und das gelingt auch ganz gut. Ja, das ist also jemand, der Bock hat, früh in der Backstube zu stehen, dass der dann die etwas frühere Schicht bekommt und derjenige oder diejenige, etwas später, die also gerne ein bisschen länger, dann fängt man erst acht an, ist auch okay. Das gelingt also auch, da der Spagat ist hinzukriegen. Aber da muss man eigentlich auch dafür offen sein, Wochenende zu arbeiten mal. Ja, also ich zum Beispiel arbeite immer gerne Samstags, auch gerne mal ein Sonntag gehört für mich dazu. Die Kunden sind da in bester Laune und so ist meine Lebensplanung. Damit komme ich total gut klar. gibt aber andere, die das für sich ausschließen können.
Nicola: Ja. Ich habe von einem Bäcker gehört, weiß nicht, ob das auch ein Modell ist, was du dir vorstellen könntest, der eben erst morgens anfängt zu backen, also 6 Uhr meine ich, sodass man dann erst ab 10, 11 als Kunde weiß, da kann ich dann erst kommen und auch was kaufen, was frisches.
Michael: dass Samstag attraktiv sein kann. ja, verschiedenste Gründe, denke ich. Ja, kenne ich auch. Kommt für mich nicht in Frage, weil ich sehr lange Teigführungen mache. wir machen alles am Vortag. ich produziere heute für morgen und demnach wenn wir 5 Uhr anfangen, uns fängt die erste. Bitte? Ich mache das aus Qualitätsgründen, ja ganz klar. Und vor allem der Verträglichkeit. Heißt es, dass es besser verträglich ist und
Nicola: Mhm.
Markus Franz: Aus Qualitätsgründen, Aus Gründen der Qualität,
Michael: Also bei uns fängt dann die erste Person um 5 an und muss eigentlich nur abbacken, weil ja alles schon fertig ist. Also Brote werden gekippt, ab in den Ofen, Stunde später sind die raus. demnach, wenn ich um 6 anfange, könnte ich auch um halb 8 öffnen. ist mein... außerdem finde ich, ach keine Ahnung, da bin ich so bisschen traditionsbewusst. Also ich meine, ich bin ja nicht umsonst als kleiner Jungen da durch die Gegend gelaufen und hab gesagt, ich Bäcker sein. Für mich waren es genau diese Sachen. Ich finde das toll, wenn Kunden...
Nicola: Okay.
Michael: nach dem Aufstehen zu uns kommen. finde das ultra toll, am Samstag Leute mit Jogginghose und Schluppen von nebenan kommen und sich ihre 5 Brötchen holen und wieder rübergehen und frühstücken. Das finde ich ultra sympathisch.
Nicola: Ja, aber genau, kommen wir jetzt mal wirklich mal, was du als Bäcker an deinem Produkt anders machst als andere Bäcker. Weil das schmeckt anders, also das kann ich schon mal sagen. Es schmeckt anders, fühlt sich auch anders an, das sage ich jetzt aus Kundensicht und Was mir an deiner Theke auffällt, ist eine begrenzte Auswahl an Produkten und es gibt nichts Belegtes. Es gibt ja Bäcker, da kriege ich nur noch belegte Brötchen, sag ich mal.
Michael: Genau, also mit dem Nichtbelegen, das habe ich auch so von meinem Lehrherrn mitgegeben bekommen. Überhaupt so dieses, eine Zeit lang gab es diesen Sprung dazu, dass eine Bäckerei schon eher in Richtung Restaurant oder sowas wird, also vielleicht noch ein kleines Pasta-Gericht und und und. Dann braucht man sich immer nicht mehr zu wundern, dass man nicht mehr als Bäcker wahrgenommen wird. Also in meinem, das größte in meinem Laden
Nicola: Okay. Ja. Okay.
Michael: Das, was die meiste Sicht bekommt, sollten immer die Brote sein oder auch die anderen Backwaren. Dann finde ich, für so eine kleine Bäckerei machen wir schon eher zu viel Auswahl. glaube, wir... Also meine Bäckerei ist auch null einzigartig. Ich denke, allein Markus, der von seiner Bio-Bäckerei die Ecke erzählt hat, die werden es gar nicht so anders machen, glaube ich. Und davon gibt es in Deutschland schon auch mehrere Beispiele. Und sicherlich sogar noch einige Bäckereien, die ich selber gar nicht kenne, die das auch ganz ähnlich praktizieren.
Nicola: Okay. Mhm.
Michael: Und umso handwerklicher man arbeitet, ist das Sortiment einfach beschränkt. Wir verlieren uns manchmal noch im Sortiment. Aus Effizienzgründen müsste ich sagen, komm lass uns noch weniger Brote machen und noch weniger Teilchen. Aber ich biete immer noch gerne ein gewisses Vollsortiment an. Ich finde es schon schön, wenn jemand bei uns ein komplettes Frühstück kaufen kann. Mit komplett meine ich jetzt eben Brot.
Nicola: Ich sehr der Arbeit mit mit Arbeit mit mit Arbeit mit der mit der der Arbeit mit der Arbeit Arbeit Arbeit Arbeit mit Arbeit mit Arbeit mit mit Arbeit Arbeit Arbeit
Michael: und auch ein Croissant. Ich finde einen Croissant toll, auch wenn ich das selber nicht gerne produziere. Ich bin derjenige, am seltensten bei uns die Croissants macht,
Nicola: mit der Arbeit mit mit Arbeit mit Arbeit Arbeit Arbeit Arbeit mit mit mit Arbeit
Michael: weil ich das nicht gerne produziere. Aber ich mache ja nicht alles für mich. Ist sehr aufwendig und nicht so grob. Ich bin so jemand, der gerne Teig in der Hand hat. so einen großen Ball, große Brote. finde auch größeren Brote sind
Markus Franz: Warum nicht? Warum nicht?
Michael: Das das Schönste. Das schmeckt auch in drei Tagen noch oder auch in fünf Tagen. Ja, während so ein Croissant, das ist was für heute. Ein Baguette ist was für heute. Das ist aus meiner Sicht, also finde ich das nicht toll. brauche ich nicht. Auch wenn ich es gerne mal esse. Aber ich muss es nicht produzieren und an sich müsste ich das auch nicht. Also ich würde es mir persönlich nicht kaufen. Sagen wir mal so.
Nicola: So.
Markus Franz: Ist es auch nicht so gesund oder wie Brot? Nee, ist nicht so gesund. Andererseits, die Franzosen sterben ja auch nicht früher als wir.
Michael: Ich finde immer, dass Gesunde oder nicht Gesunde alles in Maßen erlaubt Wer sich zurückhält und mal einen Croissant isst und vielleicht sogar täglich einen Croissant isst, aber ansonsten nicht. Wer sich morgens einen Croissant reinzieht und nachmittags noch mal Blätter-Dreikäse-Gebäck. Man muss einfach haushalten mit dem, was man in sich hineinschiebt. Ich denke, das ist auch ein Croissant.
Nicola: Okay. Mmh.
Michael: komplett in Ordnung geht.
Nicola: Ich habe nochmal, weil mein Thema ist immer, möchte wissen, was ich zu mir nehme und je länger eine Zutatenliste ist, umso weniger möchte ich eigentlich essen. Deswegen jetzt auch dein Brot. Also ich habe nachgelesen, weil ich es natürlich nicht wusste. Also außer Mehl, Hefe, Wasser und Salz. Was kommt bei dir da noch rein?
Michael: Ja, kann ich sogar schon sagen, Hefe kommt eigentlich auch nicht rein. Also wir machen in unseren Brioche-Stuten, da arbeiten wir noch mit Hefe und ein Dinkelbrot haben wir derzeit mit Hefe, weil wir da explizit dafür auf Sauerteig verzichten. Aber ansonsten arbeiten wir im Brotbereich ausschließlich mit Sauerteig und züchten demnach unsere eigene Hefe. Und dann ist Hefe nicht mehr als Zutat zugegeben.
Nicola: Auf jeden Fall kommt auch nichts rein. Ja.
Michael: Weil unser Sauerteig ja auch nur aus Mehl und Wasser besteht, was sowieso schon im Brot drin ist.
Nicola: Und jetzt gibt es aber noch, habe ich gelesen.
Markus Franz: Also sind die Zutaten Mehl, Wasser und Salz dann?
Nicola: Mehl, Wasser, Salz und Sauerteig.
Michael: Korrekt.
Markus Franz: Das hört sich aber so an, wenn das jeder machen könnte. Was ist dann das Geheimnis daran, ein gutes Sauerteigbrot zu machen?
Michael: Ja, so ist das auch. Also die Beständigkeit, also grundsätzlich finde ich, jeder sollte das können. Ein großer Erfolg sind bei uns auch immer inzwischen die Backkurse, weil wir genau das suggerieren zu den Menschen, macht selber, macht mal euer Brot selber und dann wird man auch sehen, wie viel Arbeit man mit so einem Brot hat. wie oft du das beaufsichtigen musst, wie lange im Voraus du mit einem Brot anfangen musst.
Nicola: Mhm. Okay.
Michael: Ein Brot ist nicht mal eben, ich hab jetzt Hunger, ich mach mir mal schnell ein Brot. Mit dem Sauerteig fängt das ja mindestens zwei Tage im Voraus an. Und das setzt voraus, dass du einen Sauerteig sogar schon da hast. Also die Kulturen. Ob du die dann aus dem Kühlschrank oder aus dem Froster holst und wiederbelebst, ist vielleicht jetzt erstmal gar nicht der Punkt. mit dem Sauerteig fängt ja schon der Start an und das dauert unglaublich lang.
Nicola: Ja.
Michael: Unsere Backpläne sind immer mindestens zwei Tage im Voraus. Fast fix, weil wir dann irgendwann nichts mehr ändern können. Die Sauerteigmengen sind dann da. Quellstücke auch. Wenn ich Nüsse reinpacke oder Früchte oder Körner, dann sind auch die schon einmal kurz angeröstet und eingeweicht mit Wasser. Die stehen dann natürlich auch auf der Zutatenliste drauf.
Nicola: Ja, er hat es. Okay. Es ist nicht so, dass ich jetzt heute kommen könnte und sagen, brauche jetzt morgen früh 200 Brote. Das würde dann die limitierende Zutat der Sauerteig
Michael: Ja genau, genau. Das geht also nicht. Wir haben natürlich immer noch Spielmöglichkeiten. Mit dem Sauerteig kann man auch mal eine kürzere Stufe gehen und sowas, aber da fängst du dann an, also wenn das dauern passiert, bräuchtest du dich nicht über sehr schwankende Qualität zu wundern, wenn du ständig davon abgehst, weil das ist auch was, ein Sauerteig ist nicht jeden Tag ein Sauerteig. Also ist nicht immer gleich.
Nicola: Mhm. Mhm.
Michael: Man kennt schon von früher noch die Geschichten, die die alten Bäckermeister erzählen. Wenn Vollmond war, ist man noch mal runtergegangen und hat den Sauerteig noch zusammengeschlagen. Sauerteig reagiert ja auf Luftdruck, auf Luftfeuchtigkeit, Temperatur. Das sind Dinge, die du immer im Hinterkopf behalten musst, wenn du produzierst. Bei uns in der Backstube sind eben nicht immer die gleichen Bedingungen. Demnach ist das Schwierige. Das Vermischen der Zutaten, sondern danach dieses Einhergehen mit wie lange braucht heut mal Sauerteig, auf Touren zu kommen, den Teig größer werden zu lassen, die Säure im Brot zu bestimmen. Darauf kommt es ja nachher an.
Nicola: Okay.
Michael: Das Brot soll ja eigentlich immer ähnlich sein.
Markus Franz: Mein Bäcker, mein Bio-Bäcker, sagt mir immer im Sommer gibt es immer keine Croissants und dann sagt er immer einfach lapidar ist zu heiß. Woran liegt das? Was meint er damit?
Michael: Dem wird es einfach zu warm in der Backstube sein und dann läuft dir die Butter beim Tourieren weg.
Markus Franz: Nein, nein, Moment mal, aber der machte die anderen Brote, machte er. Der macht alles, der macht nur keine Croissants, weil Croissants zu lange dauert oder wie?
Nicola: Ja.
Michael: Bei Croissants tourierst du Butter ein. Du hast einen Block Butter, den du mit Nudelholz oder mit einer Ausrollmaschine bearbeitest. Immer dünner machst, dann wird der in den Teig eingeschlagen. Dann wird der Teig immer wieder runtergerollt. Ähnlich wie bei einer Nudelmaschine. Dann wird er wieder zusammengefaltet. Dadurch bekommst du ganz viele kleine Butterschichten. Ganz dünne, die du auch siehst mit bloßem Auge. Wenn es zu warm in der Backstube ist
Nicola: Ich Ich glücklich, dass Ich Ich bin
Michael: Dann läuft dir die Butter, erst recht wenn du keine unveränderten Fette nimmst, sondern wirklich richtige Butter. Das läuft dir dann so raus. So schnell kannst du gar nicht arbeiten. Genau.
Markus Franz: Es geht wirklich nicht so gut. Es liegt nicht nur Faulheit, kein Bock, sondern es geht wirklich nicht. Also machst du dann, wenn es heiß ist, machst du auch keine Croissants. Obwohl in der Backstube man ganz einfach machen kann. Man kann doch die Temperatur in der Backstube regeln, dann ist es doch kühler, das verstehe ich gar nicht.
Michael: Ja. Doch, machen Croissants.
Nicola: Ich
Michael: Ja, wir arbeiten dann in einem, wir haben eine etwas größere Backstube an unserer zweiten Bäckerei und dort haben wir dann einen Raum, der ein bisschen kühler ist. Das ist dann eigentlich kein Problem. Aber ich arbeite auch nicht mit einer Klimaanlage, weil mit einer Klimaanlage gegen den Ofen anzukämpfen ist unsinnig. Also das macht maximal den Energieversorger reich oder, also, ne, das ist...
Markus Franz: spannend.
Nicola: Da wären wir natürlich auch mal, also außer, ich hab einmal versucht Blätterteig selbst zu machen. Also seitdem ist, das der einzige Bereich, wo ich sage, no, dann lieber fertig Produkte kaufen. Also das hat dann auch nicht richtig gut geschmeckt und eine sau Arbeit. Aber das ist ja schon auf dem Punkt, wie viel Brot kostet. Also ich glaube, jeder von uns hat das Gefühl,
Michael: Genau.
Nicola: So, früher haben doch die Brötchen 30 Cent gekostet. Und jetzt kann ich auch locker 1,50 oder 1,20 dafür ausgeben. Kannst du uns mal mitnehmen, was sich für dich hinten dran an den Kosten eigentlich die letzten Jahre, was die wesentlichen Faktoren sind?
Michael: Also der größte Preistreiber bei mir sind natürlich meine ganzen Angestellten. Oder unsere ganzen Angestellten.
Markus Franz: Belastet dich das mit Mindestlohn, spielt das für dich eine Rolle, wenn der erhöht wird auf 15 Euro?
Michael: belastet mich in dem Fall, weil ich natürlich sagen möchte, meine Leute dürfen auf keinen Fall Mindestlohn verdienen. Ich will ja immer deutlich drüber. Also die Löhne steigen bei mir auch die Löhne. Das heißt aber nicht, dass ich das verkehrt finde. Grundsätzlich finde ich das gut und vor allem wichtig, dass das dann auch alle bezahlen. Ich habe eigentlich einen etwas anderen Ansatz und mein Ansatz ist...
Nicola: Ready? Ja.
Michael: Aber das liegt daran, dass ich aus einem kleinen Unternehmen komme. Ich finde immer, dass diese Reglementierungen einfach in meinen Augen nicht sein müssen. Ich möchte eigentlich nicht gezwungen werden, jemanden zu bezahlen. Und eigentlich sollte der Mitarbeiter das auch nicht wollen, sondern er sollte einfach mehr Geld wert sein. Für mich und für alle. dann ist alles tiptop. Also für mich bräuchte es diese Regelungen nicht zu geben. Alles immer teurer wird, ist klar, dass die Mitarbeiter mehr Geld bekommen. Feierabend. Ja, also, kann so einfach sein.
Nicola: Ja, super Einstellung natürlich. ist...
Markus Franz: Ich habe dich Grunde in der Beantwortung von Nicolas Frage unterbrochen mit dem Mindestlohn. Nicola hat gefragt, was sonst so preistreiber sind.
Nicola: Energie wahrscheinlich hatten wir gerade schon.
Michael: Ja. Energie, aber auch Logistik. Also wenn ich einkaufe, dann muss das ja irgendwie zu uns. Das sind die Hauptstoffe natürlich. Und da ist auch wieder die Sache, umso exklusiver ich einkaufe, desto teurer werden die Rohstoffe.
Nicola: Und welcher Rohstoff hat da in den letzten zwei Jahren den größten Sprung gemacht? Oder das als Kunde auch zu bekommen, was passiert da hinten dran eigentlich?
Michael: Also Butter ist total teuer geworden. ist aber okay. Jeder, der mit Tieren in Verbindung arbeitet oder sich da mal bisschen umschaut, kann man sagen, Butter kann fast gar nicht teuer genug sein. Weil auch da könnte man ja sagen, das muss man einfach. Wer ein geiles Croissant haben möchte, bamm, der legt halt bisschen Geld auf Tisch. man muss es ja nicht... Croissant ist ein Luxusgut, muss ich nicht jeden Tag haben. Aber auch beim Brot...
Nicola: Okay, das. Ja, guter Punkt. Absolut, ja, ein guter Punkt.
Michael: Das Getreide ist auch wahnsinnig teuer geworden. Hört sich aber immer noch günstig an, wenn man jetzt sagt, dass ich vielleicht für ein Kilo Getreide 1,10 Euro zahle im Moment. wenn es in den Dinkelbereich geht oder noch spezieller, wird es auch noch teurer. Aber Weizenroggen sind so bei 1,10 Das ist relativ viel. Wir kaufen auch sehr teuer ein, weil ich bei so einer besonderen Mühle einkaufe, die immer den Keimling mitbenutzt.
Nicola: Vielen Mh. Okay.
Michael: Auch im Auszugsmehl ist teilweise der Keimling drin. Im Normalfall wird selbst beim Vollkornmehl der Keimling ausgeschnitten und anderweitig verkauft. Das ist erlaubt. Man kauft Vollkornmehl, was gar nicht mehr Vollkornmehl ist. Also relativ verrückt. Liegt daran, dass der Keimling dafür sorgt, dass das Mehl schneller kaputt geht. Da drin sind die wertvollen Fette, die wertvollen Eiweiße, die natürlich auch schneller
Nicola: Mhm. Mhm.
Michael: Also das Endprodukt ist dadurch, also nicht das Endprodukt, sondern das Mehl ist dadurch nicht mehr so lange haltbar nach dem Zerkleinern.
Nicola: Für dich zur Lagerung oder für mich als Kunde zu Hause im Brot?
Michael: Nein, als Mehleinkäufer. Das interessiert mich als Bäcker ja eigentlich nicht, weil ich kaufe ja nicht für drei Monate im Voraus Mehl, das könnte ich ja gar nicht lagern. Aber die Müller lagern es teilweise relativ lang. Ja, solche Sachen.
Nicola: Mhm. Ja.
Markus Franz: Also frage ich jetzt im nächsten Mal meinen Bio-Bauern, ob der Keimling noch drin ist im Mehl,
Nicola: Im Vollkornmehl.
Michael: Ja, du kannst eigentlich davon ausgehen, dass wenn die nicht selber malen, dass es wirklich nur, also dann ist es unwahrscheinlich, dass es drin ist. Es gibt wenig Müller, die den drin lassen. Aber bei einem Biobäcker bin ich guter Dinge.
Markus Franz: Und bei dir ist es drin.
Nicola: Muss aber nicht, meinste? Es ist keine Vorschrift unter Bio-Zertifizierung.
Markus Franz: Okay, also, okay.
Michael: Ne. Ne.
Markus Franz: Was ist denn
Nicola: Und
Markus Franz: mit
Nicola: was?
Markus Franz: Bürokratie eigentlich als Kostentreiber? Es gibt ja diesen Film von WDR, die Brötchenrepublik, wo die Bürokratiekosten auch bei Bäckereien bis zu 50 Prozent sind. Ist das sehr belastend und hast du da einen Appell an die Politik oder an die Gesellschaft?
Michael: Es stört natürlich, dass viel meiner Arbeitszeit für so etwas drauf geht. Das kann ich gar nicht sagen. Es sind keine 50 Prozent, aber wenn es nach mir geht, möchte ich den ganzen Tag eigentlich nur in der Backstube stehen oder im Verkauf. Inzwischen zählen eben mehr diese ganzen organisatorischen Dinge. Eine saubere Backstube ist natürlich interessant, aber noch wichtiger ist die Unterschrift nachher unter dem
Markus Franz: Wie viele Arbeitszeiten?
Michael: Reinigungsprotokoll. Die ist eigentlich wichtiger im Nachhinein, wenn die Kontrolle kommt, dass ich am 24.12. noch sauber gemacht habe. Weil das kann ja eh keiner mehr nachprüfen. Also zählt nachher nur noch die Unterschrift. Und das muss halt immer passen. Dann Fortbildungen von Hygiene, Fortbildungen, auferzwungen sind. Irgendwelche vom Statistischen Bundesamt geführte Tabellen, wie viel Papiermüll man tatsächlich in Umlauf gebracht hat. Auf 10 Kilo genau so haben wir das ausrechnen können. ist wirklich Wahnsinn. Und dann ertappt man sich eben dabei, man... Also, hab ich mir nie Gedanken gemacht vorher. Und dann kriegst du so Schreiben und musst eben relativ ausführliche Zahlen eintragen. Ja, sowas macht einen dann eher mal Angst. also Thema Arbeitsschutz ja auch. Das gibt es ja nicht ohne Grund. Immer. Das muss man sich halt hinterfragen, warum es diese Sachen gibt. Aber hat bei mir im Handwerk eigentlich nichts zu suchen. Also ich arbeite doch selber auch nur mit Maschinen, ich mir selber nicht so einfach die Hand abhacken kann. Aber im Nachhinein ist es halt immer so eine Versicherungsfrage. Jeder möchte immer nur nicht für den Fall der Fälle bezahlen und darauf...
Nicola: Ich Arbeit Leuten zusammenfassen. Ich glücklich, Ich mit Ich Ich Arbeit Ich Ich Arbeit Ich glücklich, Sie Ich glücklich, Sie Leuten
Michael: Also da geht es dann los, dass jeder sich noch eine Unterschrift
Nicola: Ich Arbeit
Michael: holt und... Genau.
Markus Franz: Wir werden entmündigt und beformuliert mit unserem Land. Das ist einfach alles aus reimen Sicherheit streben, werden wir dermaßen eingeschränkt in unseren Fähigkeiten, Möglichkeiten usw.
Michael: Ja, aber ich möchte nicht so weit gehen, dass es allein die Schuld der Politik ist. Sondern da hat die Gesellschaft schon sehr viel mitgemacht.
Nicola: Schwarze Schafe, ist das ein Thema, mit dem du dich auch beschäftigst in deiner eigenen Bäckerinnung?
Michael: Nee, Wenig. Ich gucke sowieso sehr wenig nach links und rechts jetzt zu anderen Bäckereien, sondern ich bin viel bei uns unterwegs. Ich esse auch eigentlich nur meine Produkte und also ich kann mich auch
Nicola: Wenig. Mhm.
Michael: weiterentwickeln, nur indem ich bei uns aktiv bin, auch mit dem Kopf. Ich versuche gar nicht so stark andere... Das geht dann immer schnell in Richtung Anprangern oder so. Es muss ja nicht jeder Bio sein.
Nicola: Vielen Dank. Vielleicht geht es auch mehr diese 200 Zusatzstoffe, die man ja auch reinpulvern kann. Dann ist man wahrscheinlich schneller fertig mit dem Backen und billiger. Der Kunde merkt es vielleicht gar nicht so, das mit dem Keimling. Ich meine, wer weiß das schon? Ich habe es nicht gewusst. Obwohl ich jetzt auch behaupten würde, ich beschäftige mich recht viel mit dem Thema Ernährung. Aber du hast ja auch auf die Walz gegangen, hab ich gelesen, und zwar bist du auf Lanzarote gelandet. Und hast dort gebacken. Was hast du denn aus Bäckersicht als Erfahrung vom Ausland mitgebracht? Weil Deutschland steht ja immer so als Brotnation da.
Michael: Ich glaube, habe ich auch gar nicht so viel im Produktbereich mitgenommen, sondern mehr im Bereich persönlicher Entwicklung. Mir hat es damals unglaublich gut getan, zu Hause wegzukommen, also auch aus diesem Nest heraus, was natürlich da ist, aber Wärme kann man auch empfinden, wenn man weiter weg ist. Und vor allem auf Lanzarote Und es hat mir einfach so gut getan.
Nicola: Hm. Ja.
Michael: ein anderes Land, andere Kulturen zu sehen. Man lernt gar nicht immer daraus. Man muss gar nicht immer in den besten Bäckerein arbeiten. Man kann auch viel aus Schlechtem lernen. Damit will ich gar nicht sagen, dass wir qualitativen Mist gemacht haben. Aber da haben wir relativ viel mit Fertigbackmischungen gearbeitet.
Nicola: Mhm. Mhm.
Michael: Das war für mich eine ganz neue Erfahrung. Geht schneller, geht es allem gleichmäßiger. Die Qualität ist immer gleich, egal wer es dahinstellt. Da könnt ihr beide relativ zügig mitmachen und würdet zum selben Output kommen wie ich.
Nicola: Ihr seid schneller, oder? Gott, ja. Das ist aber auch ein guter Übergang hier mal für zu Hause zu überlegen. Mehr Arsch, weniger Hose. Also ich finde ja beim Brot ist zum Thema Nahrungsmittelverschwendung auch bei sehr bewussten Menschen in meinem Umfeld doch so, das wird recht schnell weggeschmissen. Wo ich immer sage, ey Leute, da kann man echt noch viel damit machen. Was sind so deine Tipps für zu Hause? Das eine ist die Lagerung. Thema Schimmel. Also da wundere ich mich auch immer. Manchmal kommt es schnell, manchmal kommt es gar nicht so schnell. Ich habe noch nicht rausgefunden, wann was passiert. Kannst du uns da mal als Experte ein paar Tipps mit an die Hand geben?
Michael: Mein Lieblingstipp ist, kauft euch einen Toaster. Also jedes Brot, ein klein wenig trockener geworden ist, aufgeschnitten, kurz in Toaster. Also schmeckt dann wie frisches Brot im Toaster. da ist... Ansonsten, also alles hält sich länger, was vorher aus Vollkorn ist. wenn ich jetzt eben was ganz Helles kaufe, ein helles Baguette wird schnell alt. wenn ich weiß, was ich für heute brauche, dann kaufe ich mir das auch gerne mal hell, weil es ganz anders schmeckt.
Nicola: Ja, no. Schmeckt super, Wip. Mhm.
Michael: Aber ansonsten kaufe ich eben lieber die etwas vollwertigeren Gerne auch was mit Kernen, was viel Wasser binden kann am Anfang in der Produktion. Das bedeutet nachher auch, dass es deutlich länger braucht alt zu werden. Und wenn es dann noch ordentlich gelagert ist, Brotkasten ordentlich in Leintuch rein gewickelt, in einem Schrank geht auch. Also, Brot darf alt werden, man muss es nicht zu viel kaufen. Und jeder, wenn er irgendwie einen guten Bäcker in der Nähe hat, Jeder freut sich über Stammpublikum. Mir macht es eine Freude, indem du jeden zweiten Tag zu mir kommst und nicht alle zwei Wochen einen riesen Einkauf.
Nicola: Ja, das heißt aber, so Plastiktüte geht gar nicht. Sollte eher dunkel gelagert werden, habe ich das jetzt rausgehört.
Michael: Plastiktüte geht ja nur deshalb nicht, weil es direkt luftdicht abschließt. Und dann ist der Schimmel nicht mehr weit weg. Das geht dann immer schnell. Also ganz leichte Luftdurchlässigkeit ist immer ganz gut. Deswegen empfiehlt sich dann eben Jute oder Linen, wo schon noch was dran geht.
Nicola: Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Markus Franz: Bomben geht aber auch.
Michael: Baumwolle geht auch!
Nicola: Baumwolle geht auch. Baumwolle geht auch. Und das mit dem Schimmel, was befördert Schimmel außer jetzt, ich vermute mal Feuchtigkeit? Welches Brot wird schneller schimmelig? Kann man da was sagen?
Michael: Scheller stimmlich wird eigentlich eher ein Brot, viel Feuchtigkeit beinhaltet. so ein... Hier im Rheinland das Schwarzbrot, ein reines Roggenbrot, was vielleicht am Anfang auch noch bisschen tätschig ist. Also unsere reinen Roggenbrot sind immer am Anfang... Ja, das braucht sehr lange, die Feuchtigkeit eben dann zu regulieren. Aber das bedeutet eigentlich auch, dass es eben langsamer alt wird. Und wenn ich das jetzt luftig weg...
Nicola: so reichlich,
Michael: dann kann die Feuchtigkeit nicht verschwinden, sondern bleibt dort und produziert dann, weil du bringst ja schon einen gewissen Pilz mit rein durch den Sauerteig auch. Also du bringst eigentlich die erste Basis für den Schimmel schon mit.
Nicola: Mhm. So jetzt muss man ja noch sagen, also Markus hat mir schon meine Abschlussfrage an dich geklaut, nämlich dein Wunsch an die Politik und was ich da ändern könnte. Dann frage ich dich eher mal, wenn du uns verraten magst, was du denn für die Zukunft planst, weil Hintergrund ist ja, du hast ja nicht nur zwei Bäckerei-Verkaufsorte, sage ich mal, sondern du bist auch im Burgergeschäft unterwegs. hast ab und zu Pop-ups über die Stadt verteilt, also Verkaufsstellen, die dann nicht auf Dauer sind, sondern für ein Wochen. Und bist sehr gut auch auf anderen Events unterwegs, als Streetfood-Anbieter.
Michael: Ja, sind aber alles Entwicklungen, gar nicht nur durch mich kommen, sondern eher durch Freunde, Geschäftspartner, wie auch immer. Hättest du mich vor, und das haben auch einige gemacht, vor sechs, sieben Jahren gefragt, hier vergrößere dich mal. Ich habe immer kategorisch abgelehnt, gesagt, nein, ich bleibe bei meiner kleinen Backstube in Flingern. Da bin ich heimisch fühle mich wohl. Inzwischen ist alles bisschen größer, liegt aber nur an den richtigen
Nicola: Okay. Okay.
Michael: Menschen, die ich mich herum habe, denen ich ein Wachstum zutraue. ich persönlich kann nur eine Backstube im Griff haben. ich in eine andere Backstube hineingehe, dann habe ich die natürlich eventuell auch im Griff, aber eben nur für die Zeit, ich dann da bin oder für so einen kleinen Zeitraum da drum herum. Und so brauche ich Menschen mich herum, die mir das dann abnehmen, die das auch wollen und demnach präsentieren wir gerne andere Menschen mit anderen tollen Ideen.
Nicola: Okay. Vielen
Michael: werden wir auch noch mehr, noch weiter wachsen. Ich habe große Freude daran, Entwicklungen zu sehen, Sachen, möglich sind. Aber ich persönlich bin der Bäcker und bin eigentlich für das Brot zuständig.
Nicola: ist ein sehr schönes Abschlusswort. Vielen Dank, Michael, für deine schönen Einsichten und ich freue mich auf ein
Markus Franz: Michael, super, du bist ein super Typ. Vielen Dank, das ist interessant.
Michael: Ja.
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